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05.08.2007 Venezuela

Heftige Kritik an Regionalpolizei von Zulia

Vorwurf von Entführungen und Zusammenarbeit mit kolumbianischen Paramilitärs / Bürgermeister von Maracaibo bittet nationale Regierung um Hilfe
Heftige Kritik an Regionalpolizei von Zulia

GianCarlo DiMartino (rechts) und Manuel Rosales (Bildschirm)

Der Bürgermeister von Maracaibo, Gian Carlo Di Martino, rief in einem offenen Brief zur Übernahme der regionalen Polizeikräfte des Bundesstaates Zulia durch die nationale Regierung auf. Der Grund dafür ist der Anstieg von Entführungen, Morden und Erpressungen in dem Grenzstaat zu Kolumbien. Der Brief wurde in Últimas Noticias, der größten Tageszeitung des Landes veröffentlicht. Rosales antwortete mit einer ganzseitigen Anzeige ebenfalls in Últimas Noticias.

Maracaibo ist Venezuelas zweitgrößte Stadt und Hauptstadt von Zulia. Gouverneur von Zulia ist Manuel Rosales, der Gegenkandidat von Hugo Chávez in den Präsidentschaftswahlen 2006. Von den 176 Entführungen in Venezuela geschahen 29 in Zulia.

Di Martini wirft Rosales Verbindungen zu den rechtsextremen kolumbianischen Paramilitärs von, die im Grenzgebiet zwischen Venezuela und Kolumbien operieren. "Der Gouverneur von Zulia hat von Beginn seiner Amtszeit an Beziehungen zu terroristischen Gruppen von demobilisierten kolumbianischen Paramilitärs hergestellt. Verbindungsperson war sein Sicherheitsberater Henry Lopez Sisco, der mittlerweile vor der venezolanischen Justiz untergetaucht ist." Lopez Sisco war im Juni dieses Jahres unter anderem für die Teilnahme und Anordnung von mehreren Massakern in den 80er Jahren verurteilt worden.

Bereits im Juni hatte der frühere Vizepräsident José Vicente Rangel gewarnt, dass kolumbianische Paramilitärs auf venzolanischen Gebiet und vor allem in Zulia operieren, und behauptet, dass "zwischen Manuel Rosales und den kolumbianischen AUC-Paramilitärs eine enge Beziehung" bestehe. "Der bewaffneten Truppen von Gouverneur Rosales ist die 10.000 Aktive umfassende Regionalpolizei, und es ist offensichtlich, dass eine Gruppe darin Verbindungen pflegt zu dem Netzwerk der Paramilitärs, die wiederum zu einem Netzwerk von Verbrechen, Schmuggel, Erpressung und Drogenhandel gehören.

Der Abgeordnete Freddy Lopez, Mitglied des Ausschusses für Innenpolitik, ist der Ansicht, dass die Probleme nicht gelöst werden können, "bis wir uns um die internen Probleme der Polizei kümmern". "Diejenigen, die in den Entführungsfällen ermitteln, sind oft selbst Entführer. Es gibt so viele Beweise gegen die Regionalpolizei [von Zulia], doch die Zuständigen lassen sie gewähren."

"Im Namen der Bevölkerung von Zulia erbitten wir die Einmischung der nationalen Regierung und der Nationalversammlung in die Regionalpolizei und eine gründliche Untersuchung der Verbindung zwischen der Regierung des Bundesstaates und den paramilitärischen Strukturen an der Grenze zu Kolumbien.

Quelle: venezuelanalysis.com

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