Venezuela

Erfolg für Toyota-Arbeiter in Venezuela

Eingliederung der Beschäftigten von Subunternehmen in Kernbelegschaft erreicht

Nach tagelangen Protesten vor den Werkstoren in Cumaná, Bundesstaat Sucre, haben sich die Arbeiter von Toyota de Venezuela gegen die Konzernführung durchsetzen können. Die Produktion stand still, obwohl offiziell kein Streik ausgerufen worden war. In der Auseinandersetzung, die trotz eines geltenden Tarifvertrages eskaliert war, ging es vor allem um eine angemessene Beteiligung an den hohen Gewinnen des Automobilkonzerns in dem südamerikanischen Land. Zugleich waren die Lage der bei Subunternehmen beschäftigten Kollegen, die auf viele der unmittelbar im Werk Beschäftigte vereinbarten Leistungen verzichten mußten, und die hohe Zahl von Arbeitsunfällen Thema.

Zunächst hatte das Unternehmen ein Ende der Aktionen zur Voraussetzung für Verhandlungen gemacht. Eine Belegschaftsversammlung hatte dieses Ansinnen jedoch zurückgewiesen und nahezu einstimmig für eine Fortsetzung der Proteste gestimmt. Toyota mußte sich deshalb in der vergangenen Woche mit den Vertretern der Betriebsgewerkschaft Sintratoyota, Repräsentanten der Arbeiter aus den verschiedenen Betriebsbereichen und einer Delegation des Arbeitsministeriums an einen Tisch setzen. Bei den Verhandlungen konnten sich die Beschäftigten weitgehend durchsetzen. Als "Ausdruck von Klassensolidarität unter den Arbeitern" hoben Vertreter des linken Gewerkschaftsbundes UNT insbesondere hervor, daß die bisher bei Subunternehmen Beschäftigten jetzt in die Kernbelegschaft eingegliedert werden sollen.

Als wichtigen Fortschritt werteten die Gewerkschafter außerdem, daß alle Entscheidungen in praktisch permanent tagenden Versammlungen der Beschäftigten getroffen wurden. Sie unterstützten den derzeit im venezolanischen Parlament diskutierten Vorschlag, sozialistische Arbeiterräte einzurichten, damit sich alle Werktätigen direkt an den Entscheidungen in ihrem Betrieb beteiligen können.

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Ihr amerika21-Team

Gewerkschaftsvertreter der Autoproduzenten Ford, General Motors, MMC Automotriz, DaimlerChrysler und anderer hatten sich mit der Toyota-Belegschaft solidarisiert und ein Eingreifen der Regierung in den Konflikt gefordert. Dieser sei ein weiterer Beweis, daß es unmöglich sei, irgendeinen Sozialismus gemeinsam mit Kapitalisten, Großgrundbesitzern, Bürokraten und Korrupten aufzubauen, heißt es in der Erklärung.

André Scheer

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