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24.10.2007 Venezuela

Zapateros wiederentdeckte Wanze

Die spanische Tageszeitung El País verdächtigt Caracas der Spionage

Madrid. "Fehlgeschlagene Spionage gegen Zapatero in Caracas" titelte die spanische Tageszeitung El País am Montag in ihrer Online-Ausgabe. Das Blatt ist das Flaggschiff des Medienkonzerns PRISA, der der regierenden Arbeitpartei PSOE nahesteht. Der Artikel bezieht sich auf einen Vorfall, der sich im März 2005 in Venezuela ereignet haben soll. Damals traf der spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero mit Angehörigen der Oppositionsparteien, darunter die Putschpartei Primero Justicia, zusammen. Bevor es zu dem Treffen kam, durchsuchten Zapateros Sicherheitsbeamte den Konferenzsaal im Nobelhotel Gran Meliá in Caracas. Unter dem Konferenztisch fanden sie ein Micro, das die Gespräche nach draußen senden konnte. Ein Mitglied des venezolanischen Sicherheitdienstes wurde von dem Fund unterrichtet, der jegliche Verantwortung abstritt. "Aber aller Verdacht fällt auf die Spionagedienste von Hugo Chávez: sie kannten die Details, Zeiten und Orte des Besuchs der spanischen Delegation", urteilt El País. Daß auch andere von dem Treffen wußten, läßt die Zeitung unerwähnt.

Nach diesem Auftaktartikel legte das Blatt am Dienstag nach: Es konfrontierte den venezolanischen Generalstaatsanwalt Isaías Rodríguez mit dem Vorfall. Der Jurist befindet sich gerade in Madrid, wo seit Montag der Gipfel der iberoamerikanischen Staatsanwälte tagt. Rodríguez sagte, im Moment sei kein Verfahren anhängig. In seinem Land genießt der Jurist hohes Ansehen, weil er im April 2002 den Mut hatte, die gewaltsame Absetzung von Präsident Hugo Chávez öffentlich als Putsch zu bezeichnen.

Mit ihrer Berichterstattung setzt El País, wie schon 1999, den Grundstein für eine neue Medienkampagne gegen die Bolivarianische Republik. Sie zielt auf das Referendum, in dem die Venezolaner am 2. Dezember über ihre Verfassungsreform abstimmen werden. Bisher haben Medien in den Niederlanden, in Österreich und der Schweiz über den El País-Artikel berichtet.

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