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Kontroverse um Telesur

Vizepräsident Aram Aharonian übt harsche Kritik an Leitung des lateinamerikanischen Fernsehkanals - und gerät selber ins Visier

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Kontroverse um Telesur
Sorgt für Debatten: Telesur

Caracas. Der Vizepräsident des lateinamerikanischen Fernsehkanals Telesur, Aram Aharonian, hat in einem Interview harsche Kritik an der Leitung des Senders geübt. Der gebürtige Uruguayer wirft ihr vor, den US-Fernsehkanal CNN zu kopieren und damit von dem ursprünglichen Ansinnen Telesurs abzurücken, ein alternatives Medium zu sein. "Wir glauben immer noch, dass wir uns den angelsächsischen Medienangeboten angleichen müssen. Wir treten mit Anzug und Krawatte auf, obwohl wir wissen, dass wir Lateinamerikaner viel informeller sind", sagt Aharonian in dem Interview mit dem Journalisten Eloy Pardo vom Nachrichtenservice Mundo Latino. Es gebe bei Telesur Mitarbeiter "mit einer CNN-Mentalität", sagt Aharonian weiter: "Sie würden auch sofort dorthin gehen, wenn sie gerufen würden."

Amerika21.de veröffentlicht das gesamte Interview erstmals in deutscher Übersetzung.

Telesur hatte im Juli 2005 seinen Betrieb aufgenommen. Teilnehmer sind unter anderem Venezuela, Argentinien, Uruguay, Kuba, Bolivien und Nicaragua. Unterstützt wird das Projekt auch von Brasilien. Der Nachrichtenkanal hat seinen Sitz in Venezuelas Hauptstadt Caracas. Vor allem die venezolanische Regierung hatte sich für das Projekt eingesetzt.

Das Interview Aharonians hat in Venezuela eine harte Kontroverse provoziert. In dem alternativen Internetportal Aporrea.org warf der Autor Manuel Pérez Iturbe dem uruguayischen Journalisten wegen dessen Kritik vor, als "Söldner der Konterrevolution" zu handeln. In seiner Antwort weist ein anderer Autor, Andrés Sal-Lari, diesen Vorwurf gegen Aharonian jedoch zurück. "Bitte erklären Sie uns", schreibt er in Antwort auf Pérez Iturbe, "wie jemand ein Projekt unterwandern kann, das auf seine eigene Initiative hingegründet wurde." Sal-Lari übt ebenso wie Aharonian Kritik an dem jüngst abberufenen Informationsminister Andrés Izarra, der Telesur vorsteht. Inwieweit auch die Kontroverse um Telesur zu der Abberufung Izarras Ende der Woche geführt hat, ist noch unklar.

Seit der Gründung des Projektes hat es mehrfach interne Auseinandersetzungen gegeben. Im vergangenen Jahr verließen mehrere Mitarbeiter den Sender aus Protest, nachdem sie der Leitung mangelnde Demokratie vorgeworfen haben. Auch der spanische Journalist Pascual Serrano ist nicht mehr für Telesur tätig. Aharonian ist formell Vizepräsident des Senders, lässt dieses Amt wegen interner Konflikte jedoch seit Ende vergangenen Jahres ruhen.


Das Interview von Mundo Hispano mit Aram Aharonian finden Sie als Pdf-Dokument hier.

Die leicht gekürzte und redaktionell bearbeitete Übersetzung von Amerika21.de-Mitarbeiterin Christa Grewe finden Sie hier.

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