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25.02.2008 Amerikas

Zeitungsenten vor Havanna

Proteste gegen Falschmeldungen über »Transition« in Kuba. Hans Modrow dementiert AP-Darstellung

Havanna. Die brasilianische Tageszeitung Folha do São Paolo berichtete Ende vergangener Woche, der kubanische Interimspräsident Raúl Castro habe seinen brasilianischen Amtskollegen Luiz Inácio »Lula« da Silva um Hilfe bei einer angestrebten »Transition« gebeten. Für Aufregung bis in Regierungskreise sorgte auch eine Meldung, die fast zeitgleich von mehreren Nachrichtenagenturen verbreitet wurde. »Der letzte Ministerpräsident der DDR, Hans Modrow, will Kubas Führung seine Erfahrungen zu einem offenen Gesellschaftssystem nahebringen«, schrieb unter anderem der deutsche Dienst der US-Agentur AP unter Berufung auf den deutsch-mexikanischen Sozialwissenschaftler Heinz Dieterich, der sich als Freund Modrows bezeichnet.

Der ehemalige DDR-Politiker Modrow, der sich bis zum Sonntag auf Einladung der kubanischen Kommunisten in Havanna aufhielt, wies diese Interpretation in einer Stellungnahme, die junge Welt am Sonntag im Internet veröffentlichte, jedoch entschieden zurück. »Mein Besuch hat damit in keiner Weise etwas zu tun«, sagte der tatsächlich vorletzte Premier der DDR. Welche Absichten Dieterich mit seinen Erklärungen verfolge, »ist nicht durchschaubar«, so Modrow weiter. Von freundschaftlichen Beziehungen zu Dieterich könne angesichts von dessen Spekulationen »keine Rede« sein.

Auch der Gerügte widersprach den Berichten. Er sei »überrascht und einigermaßen enttäuscht«, daß Modrow den »Lügen« Glauben schenke, schrieb er in einer E-Mail. Er habe nie behauptet, daß sich der Linkspolitiker zu einem »geheimen Besuch« in Kuba aufhalte, noch habe er gesagt, daß seine Thesen von hochrangigen kubanischen Politikern geteilt würden. Beides war in der internationalen Presse behauptet worden.

Dieterich ist als Fürsprecher eines »chinesischen Modells« für Kuba in die Kritik geraten. In dessen Rahmen solle zunächst das wirtschaftliche und dann das politische System »geöffnet« werden. Auch im AP-Interview forderte er »multiple Eigentumsformen« für den sozialistischen Inselstaat.


Den Originaltext der Tageszeitung junge Welt können Sie hier lesen.

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