Kolumbien / Venezuela / Politik

Unterstützung für Chávez

Konflikt in Kolumbien: Rotes Kreuz fordert Einhaltung der Genfer Konventionen und erkennt Guerilla als kriegführende Kräfte an. FARC-Geiseln setzen Hoffung in venezolanischen Präsidenten

Bogotá. Yves Heller, der Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Kolumbien, hat erklärt, in dem Land herrsche Krieg und beide Konfliktparteien müssten die Prinzipien des Völkerrechts respektieren. "Der Staat steht hier organisierten bewaffneten Gruppen gegenüber. Diese üben Gebietskontrolle aus, sie verursachen humanitäre Probleme, führen anhaltende und geplante militärische Operationen durch und verfügen über eine gewisse Befehlsgewalt und militärische Organisation. Deshalb ist das IKRK in Kolumbien der Ansicht, dass in dem Land Bürgerkrieg herrscht und die humanitären Bestimmungen der Genfer Konvention eingehalten werden müssen", so Heller.

Mit dieser Einschätzung erkenne das Rote Kreuz die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens - Volksheer FARC-EP (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia - Ejército Popular) sowie das Nationale Befreiungsheer ELN (Ejército de Liberación Nacional) als kriegführende Kräfte im kolumbianischen Bürgerkrieg an, teilte Heller in einem Gespräch mit der argentinischen Tageszeitung Página 12 mit. Damit unterstützt das Rote Kreuz eine Initiative der venezolanischen Regierung. Das venezolanische Parlament hatte vor kurzem eine Resolution verabschiedet, die außerdem die Streichung der Guerilla-Gruppen von internationalen Terrorlisten fordert.

Der Sprecher des Roten Kreuzes erklärte in der argentinischen Tageszeitung weiter, die Umstände der kürzlich erfolgten Freilassung von Clara Rojas und Consuelo González de Perdomo hätten erneut bewiesen, dass in Kolumbien tatsächlich Bürgerkrieg herrsche. Ganz anders sehe dies der Präsident Álvaro Uribe. Dieser hatte wiederholt behauptet, sein Land leide unter einer "terroristischen Bedrohung", und die Guerilleros seien "Terroristen in einer Demokratie" und nicht "Aufständische gegen eine Diktatur". Yves Heller fuhr fort: "Das humanitäre Völkerrecht verliert nicht seine Gültigkeit, wenn es organisierte bewaffnete Gruppen gibt, die als terroristisch bezeichnete Akte verüben. Der Staat und die bewaffneten Gruppen wie FARC und ELN sind verpflichtet, das humanitäre Völkerrecht zu respektieren."

Auch "Friedenswanderer" für Anerkennung

Auch der sogenannte "Friedenswanderer", der kolumbianische Lehrer Gustavo Moncayo, hatte am 17. Januar erklärt, es wäre "das Vernünftigste", die FARC als kriegführende Kraft anzuerkennen, um das Land aus der gegenwärtigen Situation herauszuholen. Moncayo äußerte weiter, er bemühe sich um ein Treffen mit dem kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe. Er hoffe, damit einen Beitrag zur Verwirklichung eines Friedensprozesses in Kolumbien leisten zu können.

Gustavo Moncayo ist der Vater eines kolumbianischen Soldaten, der sich seit 10 Jahren in den Händen der FARC befindet. Am 17. Januar traf er sich nach einer 1.400 Kilometer langen Wanderung von Bogotá nach Caracas mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, um dessen weitere Unterstützung zum Erreichen eines humanitären Gefangenenaustauschs zu erbitten. Bei dem Treffen regte Moncayo auch die Bildung einer internationalen Kommission gegen Menschenrechtsverletzungen an. Der Kommission könnten Delegierte der Vereinten Nationen, der Organisation Amerikanischer Staaten sowie lateinamerikanischer und europäischer Staaten angehören.

FARC-Geiseln: Chávez soll Vermittlung fortsetzen

Der venezolanische Präsident hat außerdem von mehreren FARC-Geiseln einen Brief mit der Bitte erhalten, Chávez möge sich weiter für ein humanitäres Abkommen einsetzen. Beim Verlesen des Briefes erklärte Chávez am Sonntag vor einer Woche, es handele sich um das erste Lebenszeichen für die Angehörigen dieser Menschen, die nun schon sieben bis neun Jahre von den FARC festgehalten werden.

"Wir vertrauen darauf, dass Ihnen die humanitären Angelegenheiten sehr am Herzen liegen, und bitten Sie inständig, den Funken der Freiheit, der entzündet werden konnte, nicht erlöschen zu lassen, damit jenseits aller politischen Erwägungen ein humanitäres Abkommen zustande kommen kann. Ein solches Abkommen ist für uns die einzige realistische Chance, die Freiheit zu erlangen", heißt es in dem Brief. Chávez zufolge seien diese Geiseln "vergessen worden von einer Regierung, die die Realität leugnen will: dass in Kolumbien Krieg herrscht."

Der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe wiederum versicherte, seine Regierung habe große Anstrengungen unternommen, einen Dialog mit den bewaffneten Rebellengruppen zu erreichen. So habe man als Reaktion auf eine Bitte des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy 152 FARC-Angehörige freigelassen. Uribe fügte hinzu, er biete den Guerillagruppen 100 Millionen US-Dollar, wenn diese die Waffen niederlegten. Außerdem habe seine Regierung das von der katholischen Kirche vorgeschlagene Verhandlungsgebiet akzeptiert und die Mandate von Vermittlern aus Frankreich, Spanien und der Schweiz erneuert. Der kolumbianische Präsident lehnt eine Anerkennung des politischen Status von FARC und ELN als kriegführende Kräfte jedoch nach wie vor strikt ab.


Quellen: Adital/Púlsar/Poonal

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