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01.05.2008 Venezuela

Baduel - Der zukünftige Anti-Chávez redet vom Putsch

Die spanische Tageszeitung El País baut den Ex-Helden zum Gegenspieler des venezolanischen Präsidenten auf

Caracas/Madrid. Raúl Baduel war einst ein Held und galt lange Zeit als jemand, der fähig wäre, die Bolivariansiche Revolution im Sinne von Präsident Hugo Chávez fortzuführen. Das war einmal. Der General a.D. ist jetzt endgültig im Lager der Konterrevolution angekommen. Dort wird er eine, wenn nicht gar die führende Rolle übernehmen. Das ist dem Umstand zu entnehmen, dass die international einflussreiche spanische Tageszeitung El País am Mittwoch ein langes Interview mit ihm veröffentlicht hat.

In dem Gespräch schürt Baduel die Angst, vor einem möglichen Putsch gegen Chávez. Dabei gesteht er ein, daß er Kontakt zu den putschbereiten Kräften hat. "Ich versuche ihnen klar zu machen, daß das nicht die Lösung ist", führt Baduel fort. Seinen Äußerungen zufolge sind es Offiziere unterhalb der Generalität, die diese Ideen hegen. Der Ex-General weiß, wovon er spricht. 2002 wurde er zum "Helden", als er den militärischen Widerstand gegen die Putschisten leitete, die Chávez gefangengenommen hatten. Heute macht er seinen ehemaligen Kameraden für den aktuellen Zustand verantwortlich. Dieser habe durch den "ungebührlichen Gebrauch" der Streitkräfte "ein Klima der Spannung und Unruhe" geschaffen. Dazu zählt er den Aufbau paralleler militärischer Strukturen, die ausschließlich dem Befehl des Präsidenten unterstünden.

Zwischen den Zeilen gibt Baduel zu verstehen, daß er ein Abwahlreferendum gegen Chávez anstreben könnte. Das müßte 2010 stattfinden. Zum jetzigen Zeitpunkt pflegt er Kontakte zur Partei Podemos, die sich während der Debatte um die Verfassungsreform aus dem Regierungslager gelöst hat. Raúl Baduel besitzt das Prestige, um zumindest bei denjenigen, die einen "Chavismus ohne Chávez" wollen, als Führungsperson anerkannt zu werden. Der Präsident muß sich nach knapp 10 Jahren darauf einstellen, zukünftig auf einen nicht zu unterschätzenden politischen Gegenspieler zu stoßen, der auch das Potential hat, zu illegalen Mitteln zu greifen.

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