Venezuela

Lebensmittelproduktion wird stärker reguliert

Venezuela will Preistreiberei und illegale Exporte unterbinden

Caracas. Die venezolanische Regierung wird alle Unternehmen, die Grundnahrungsmittel anbauen und verarbeiten, in Zukunft stärker kontrollieren. Das Ziel sei es, günstige Grundnahrungsmittel im Land selber anzubauen und zu verkaufen, um die zunehmend teureren Importe vom Weltmarkt zu ersetzen. Das erklärte der Minister für Leichtindustrie und Handel, William Contreras, gestern in der venezolanischen Hauptstadt. Die Überprüfung von Unregelmäßigkeiten und der Verstoß gegen Wirtschaftsgesetze sei auch die Grundlage für die Besetzung von Teilen der Reisfirma Primor in Calabozo, Bundesstaat Guárico.

Am Samstag hatten Sicherheitskräfte den Betrieb von Venezuelas größtem Lebensmittelkonzern Polar teilweise besetzt. Die Regierung wirft dem Unternehmen vor, weniger Reis zu produzieren als es möglich wäre und Teile der Produktion zurückzuhalten, um künstlich die Preise zu steigern. Richard Canán, Minister für Landwirtschaft und Boden, erklärte, der Betrieb schöpfe seine Produktionskapazitäten zu weniger als 50 Prozent aus. Außerdem produziere das Unternehmen entgegen seiner Möglichkeiten nur Reissorten, die nicht unter die staatliche Preisbindung für Grundnahrungsmittel fallen. In dem Konflikt wird nun ein Runder Tisch zwischen dem Institut der Konsumentenvertretung Indepabis, verschiedenen Ministerien und dem Vorstand des Polar-Konzerns eingerichtet.

Obwohl die venezolanische Regierung in den letzten Jahren die Gründung von kleineren und mittleren Betrieben im Landwirtschaftsbereich massiv unterstützt hat, kam es auf dem lokalen Markt nicht zu einer Preissenkung für Lebensmittel. Während die Preise für Grundnahrungsmittel gesetzlich gebunden sind, stiegen die Preise für andere Lebensmittel nach Angaben des Instituts Datanálisis in den letzten 5 Jahren um 355 Prozent. Die Regierung macht für diese Entwicklung, neben einer erhöhten Binnennachfrage, die Preistreiberei von privaten Unternehmen verantwortlich.

Die Welternährungsorganisation der UNO (FAO) hatte Venezuela erst letzte Woche für seine Politik im Bereich Lebensmittelproduktion gelobt. Das Land sei ausreichend darauf vorbereitet, auf die weltweite Krise in der Nahrungsmittelproduktion zu reagieren, sagte Francisco Roberto Arias, Repräsentant der FAO in Venezuela. Arias lobte vor Allem die lokalen Programme zu Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion, welche die Importe und die Abhängigkeit von der Preisentwicklung der Weltmärkte reduzieren würden. Sowohl der Aufbau von staatlichen Vertriebsstrukturen, wie Mercal und Pdval, als auch die Unterstützung und Förderung lokaler Lebensmittelproduktion decke sich mit den Strategien, die die UNO seit Jahren empfohlen hat, um der gegenwärtigen Ernährungskrise vorzubeugen.


Mit Material von abn, Universal

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