Venezuela

Erdbeben in Venezuela: Streit um Krisenmanagement

Präsident des Privatsenders Globovisión kritisiert Regierung. Keine größeren Schäden in Caracas

Caracas. Nach einen mittelschweren Erdbeben in Venezuela am Montag nutzt die Opposition sie Situation aus, um die linksgerichtete Regierung unter Präsident Hugo Chávez anzugreifen. Am frühen Montagmorgen war in Venezuela ein Beben der Stärke 5,2 bis 5,5, auf der Richterskala verzeichnet worden. Betroffen war vor allem das Gebiet um die Hauptstadt Caracas, zu spüren waren die Erdbewegungen aber auch noch in den umliegenden Bundesstaaten Aragua, Carabobo, Vargas, Miranda.

Nach bisherigen Angaben kamen weder bei diesem Beben, noch bei einem Nachbeben der Stärke 4,0 Menschern zu Schaden.

Unmittelbar nach den Erschütterungen war der Präsident des oppositionellen Fernsehsenders Globovisión, Federico Ravell, vor die Kameras getreten, um sich an die Bevölkerung zu wenden. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Regierungsinstitutionen noch keine offizielle Meldung herausgegeben. Ravell berichtete über die Erdstöße und übte harsche Kritik an dem Krisenmanagement der Staatsführung, der er Untätigkeit vorwarf.

Die Ministerin für Information- und Kommunikation, Blanca Eekhout, verurteilte dieses Vorgehen des Senderchefs wenig später scharf. Der Globovisión-Chef nutze eine Naturkatastrophe, um aus ihr politisches Kapital zu schlagen, so die Ministerin.

Globovisión ist einer der schärfsten Kritiker der Regierung Chávez. Im April 2002 war die Leitung des Senders an einem Putschversuch gegen die gewählte Regierung beteiligt.

Vertreter der Staatsführung weisen in dem Streit auf historische Parallelen hin. Als Caracas im Jahr 1812 von einem schweren Beben in großen Teilen zerstört wurde, lastete ein Teil der spanisch-katholische Klerus dies dem damaligen Anführer der Unabhängigkeitsarmee, Simón Bolívar, an. Das Beben sei eine Strafe Gottes, weil sich Bolívar gegen die spanischen Kolonialherren aufgelehnt hat.

Bolívar antwortete mit einem Satz, der heute unweit seines Geburtshauses im historischen Zentrum der venezolanischen Hauptstadt an der Wand eines Regierungsgebäudes verewigt ist: "Wenn sich die Natur gegen uns auflehnt, dann werden wir auch sie bekämpfen und sie zwingen, uns zu gehorchen."

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