Bolivien / Politik

Erste Proteste und unzufriedene Stimmen mit den Wahlergebnissen

In den gestrigen Abendstunden haben sich ca. 5000 Menschen mit regionalen und nationalen Flaggen am Platz des Cristo Redentor in Santa Cruz versammelt, um gegen das Oberste Wahlgericht (TSE) und die vorläufigen Resultate von zwei Meinungsforschungsinstituten im Zuge der Präsidentschaftswahlen zu protestieren.

Der Aufruf zu der Massenveranstaltung war über soziale Netzwerke gelaufen, unabhängig von Parteien oder sozialen Organisationen. Weder Vertreter der stärksten politischen Kraft in Santa Cruz, Creemos (Wir glauben), noch des Bürgerkomitees Pro Santa Cruz waren zugegen.

Einige Menschen stiegen auf den Altar am Platz, wo im Jahr 2015 Papst Francisco zur Menschenmenge gesprochen hatte. Hier waren nun Aufrufe zu einem unbefristeten regionalen Bürgerstreik zu hören. Jedoch ergriff niemand die Initiative zu weiteren Proklamationen.

An diesem emblematischen Ort hatte der damalige Präsident des Bürgerkomitees Pro Santa Cruz und jetziger Spitzenkandidat der rechtsgerichteten Creemos, Luis Fernando Camacho, im Oktober 2019 im Nachgang der Wahlen zum 21-tägigen Streik aufgerufen. In den Jahren 2008 bis 2010 fanden hier Massenaufläufe statt, die Unabhängigkeit und Autonomie für die Region Santa Cruz forderten.

Auch vor dem Messegelände Fexpocruz, aktueller Auszählungsort für die Wahlen vom Sonntag, versammelten sich einige mit den bisherigen Auszählungsergebnissen offensichtlich unzufrieden sind. Der Ort ist mit einem enormen Polizeiaufgebot gesichert.

In Sucre kam es ebenfalls zu kleineren Protesten, nachdem gestern abend die offiziellen Zahlen für das Department Chuquisaca vorlagen. Obwohl die Hochrechnungen die Allianz Bürgergemeinschaft von Carlos Mesa als Sieger vorhergesagt hatten, hat nun nach dem offiziellen Endergebnis die MAS die Abstimmung auch in diesem Department für sich entschieden.

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