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13.09.2013 Kuba / Wirtschaft

Nichtstaatliche Beschäftigung in Kuba wächst

Fast eine halbe Million Kubaner arbeiten als Selbständige. Zunahme von Kooperativen
Privatverkauf von Putz-Utensilien in einem Hauseingang in Havanna

Privatverkauf von Putz-Utensilien in einem Hauseingang in Havanna

Quelle: © Eva Haule

Havanna. Die nichtstaatliche Beschäftigung in Kuba hat in den letzten acht Monaten um neun Prozent zugenommen. Das Ministerium für Arbeit und Soziale Sicherheit registrierte Ende Juli 436.342 Menschen in diesem Bereich. Noch vor wenigen Jahren belief sich ihre Zahl nur auf 157.000.

Das Ministerium gab an, dass die am häufigsten vertretenen Tätigkeiten in diesem sich ausweitenden Sektor in der Verarbeitung und im Verkauf von Lebensmitteln (13 Prozent), im Transport von Lasten und der Personenbeförderung (zehn Prozent) und in der Wohnungsvermietung (sechs Prozent) liegen. 68 Prozent der Kubaner, die als Selbstständige ("Cuentapropistas") tätig sind, haben keine weitere arbeitsmäßige Bindung, 18 Prozent sind Staatsangestellte und 14 Prozent Rentner. Insgesamt 278.500 von ihnen sind in der Sozialversicherung eingeschrieben.

Im Jahr 2010 genehmigte die kubanische Regierung 178 Kategorien selbstständiger Beschäftigung, die bald erweitert wurden, um "neue Arbeitsformen" zu eröffnen. Dies geschah, nachdem entschieden worden war, im Zuge der "Aktualisierung des sozialistischen Gesellschaftsmodells“ die staatlicherseits bereit gestellten Arbeitsplätze abzubauen. Von 2011 an hatte man mit einer Verringerung der etwa fünf Millionen Staatsbeschäftigten um 1,5 Millionen begonnen, um die Produktion, Effizienz und Leistungsfähigkeit voranzutreiben. Im Verlauf dieser arbeitstechnischen Neuordnung zur Verschlankung des staatlichen Sektors wurde als Alternative die selbstständige Arbeit vorgeschlagen. Jüngste Daten weisen darauf hin, dass gleichzeitig mit der Zunahme der Selbstständigkeit die Beschäftigung im staatlichen Sektor in den letzten sechs Monaten um 4,2 Prozent zurückging.

Die Kommunistische Partei Kubas verabschiedete im April 2011 mehr als 300 ökonomische Reformen umfassende Richtlinien. In dem nach ausführlichen Diskussionen in der Bevölkerung vom 6. Parteitag verabschiedeten Dokument kommt zum Ausdruck, dass "das Modell der Verwaltung außerhalb der sozialistischen staatlichen Betriebe (...) Kooperativen, Kleinbauern, Pächter, Selbstständige und andere Formen anerkennt." Als Teil dieses Plans wurden staatliche Friseure im Jahre 2011 zu Selbstständigen und die Regierung vermietete ihnen die Räumlichkeiten, in denen sie früher gearbeitet hatten. Ähnliches geschah mit Taxifahrern, Betreibern von Cafeterias und Reparaturwerkstätten für Haushaltsgeräte und Schuhe. Weiteren 200.000 Menschen wurden Bodenparzellen übergeben, mit dem Ziel die Landwirtschaft zu fördern.

Markt von Kleinbauern in Havanna

Quelle: © Eva Haule

Um den privaten Sektor weiter zu stärken, begann die Regierung am vergangenen 1. Juli in verschiedenen Wirtschaftsbereichen mit der Schaffung von nicht landwirtschaftlichen Kooperativen, wie im Bau- und Transportwesen, sowie bei der Wiederverwertung von Abfällen. Es wird erwartet, dass in den kommenden Monaten weitere 70 kooperative Zusammenschlüsse dieser Art anfangen zu arbeiten, die im Handel und in der Gastronomie, in der Kleinindustrie, der Bauwirtschaft sowie in der Herstellung von Lebensmitteln und Getränken tätig werden sollen.

Die Behörden schätzen, dass die selbstständig Arbeitenden durch die Zahlung von Steuern in fünf Jahren einen Beitrag von mindestens 40 Prozent des Bruttosozialproduktes leisten werden. Einige "Cuentapropistas" sind der Meinung, dass die Zunahme dieser Beschäftigungsform von Förderprogrammen, wie steuerlichen Ausnahmeregelungen und dem Verkauf von Materialien und Werkzeugen begleitet werden müsse, um diesem Geschäftsbereich ein Wachstum zu ermöglichen.

Kubas Präsident Raúl Castro zufolge funktioniere das wirtschaftliche Programm "wie es sein sollte, mit Geduld, ohne Eile, um keine weiteren Irrtümer zu begehen." Die kubanische Regierung betont, dass die "Aktualisierung" keinen Wandel der Eigentumsstrukturen beinhalte sondern dass nur die Form der Handhabung verändert wird.

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