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Fußballverband von Bolivien zerbricht an Fifa-Skandal

Staatsanwaltschaft veranlasst weitere Festnahmen. Vier führende Funktionäre des Dachverbandes FBF in Haft. Keine Auslieferungen an die USA

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In Haft: FBF-Geschäftsführer Albert Lozada
In Haft: FBF-Geschäftsführer Albert Lozada

La Paz. Die Generalstaatsanwaltschaft in Bolivien hat zwei weitere Festnahmen von Fußballfunktionären angeordnet. Der Vizepräsident des Bolivianischen Fußballverbands (FBF), Jorge Justiniano, und FBF-Generalsekretär Pedro Zambrano sollen wegen Korruption vor Gericht gestellt werden. Boliviens Justiz zieht damit eigene Konsequenzen aus der Korruptionsaffäre um den Weltfußballverband Fifa, ohne Verdächtige an die USA auszuliefern.

Bereits in der vergangenen Woche waren Carlos Chávez, der Präsident des FBF, und Alberto Lozada, der Verbandsgeschäftsführer in Haft genommen worden. Nach seiner Festnahme gab er vor einem Gericht in Sucre über mehre Stunden hinweg Auskunft über die vermutete Veruntreuung von Geldern des FBF. Am 24. Juli wurden nun auch auch Justitiano und Zembrano vor einem Gericht in Sucre verhört.

Die Klage fußt auf den Anschuldigungen des Schatzmeisters der FBF, Walter Zuleta, der Zugleich auch Präsident des bolivianischen Club Bolívar ist. Zuleta gibt an, dass im Zuge eines Freundschaftsspiels zwischen Brasilien und Bolivien im Jahr 2013 Gelder veruntreut wurden. Die Anklage lautet auf Bildung einer kriminellen Vereinigung, unlauteren Einsatz von Macht und Einfluss, Geldwäsche, Steuerdelikte und schweren Betrug mit mehreren Opfern.

Alberto "Tico" Lozada, der zurzeit gegen Kaution unter Hausarrest steht, vermutet einen politischen Prozess: "Man hat uns nicht angehört. Wir haben genug Dokumente, die uns entlasten, aber sie verurteilen uns, weil es den Wunsch nach Ordnung gibt.“

Die bolivianische Staatsanwaltschaft hat bisher nicht bestätigt, ob Chávez' Festnahme auch im Zusammenhang steht mit dem Fifa-Korruptionsskandal und den seitens der US-Staatsanwaltschaft erhobenen Beschuldigungen. Laut Angaben der Zeitung "La Razon" habe der FBF demnach 7,5 Millionen Dollar an Schmiergeldern wegen der Vergabe von Übertragungsrechten der Copa América erhalten.

FBF-Präsident Chavéz ist seit 2013 auch Schatzmeister des südamerikanischen Fußballverbands Conmebol, der tief in den Fifa-Korruptionsskandal verwickelt ist. Bereits im Mai, gleich nach Bekanntwerden der Falls, hatte Boliviens Präsident Evo Morales den Rücktritt von Chávez gefordert. Der Funktionär verteidigte sich damals noch in Interviews. Chávez ist der erste Präsident eines nationalen Fußballverbandes, der wegen Korruption angeklagt wurde. Er wird voraussichtlich nicht der letzte sein.

Am vergangenen Samstag wurden indes im russischen St. Petersburg die Qualifikationsgruppen für die Fußball-WM 2018 ausgelost. Der bolivianische Verband schickte keinen Vertreter.

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