Peru / Politik

Ärzte in Peru führten Zwangssterilisationen auf Weisung der Regierung aus

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Aushang des Ministeriums für Justiz und Menschenrechte zur Registrierung der Opfer von Zwangssterilisationen
Aushang des Ministeriums für Justiz und Menschenrechte zur Registrierung der Opfer von Zwangssterilisationen

Lima. In Peru hat erstmals ein Arzt bestätigt, auf direkte Anordnung der Regierung von Präsident Alberto Fujimori (1990-2000) Massensterilisationen an Frauen ohne deren Einwilligung vorgenommen zu haben. Wie Óscar Aguirre im Interview mit der peruanischen Tageszeitung La República erklärte, hat das staatliche Gesundheitsministerium Mediziner und Krankenpfleger bei der Erfüllung vorgegebener Quoten belohnt, bei Unterschreitung der Quoten wurden sie sanktioniert. Als Arzt sei er nur für die Operationen zuständig gewesen, während es Aufgabe der Pfleger war, die Frauen unter falschen Versprechungen oder mit Gewalt ins Krankenhaus zu schaffen.

Die Aussagen Aguirres decken sich mit denen der Opfer, die La República befragt hatte. Die meisten von ihnen waren indigene Frauen aus abgelegenen, ländlichen Gegenden, die nur Quechua sprachen und entweder über keine formelle Ausbildung verfügten oder nur die Grundschule abgeschlossen hatten.

Dies ist der Fall von Orfita Fasabi, der vor der Sterilisation Geld versprochen worden war. "Seit dem Tag, an dem sie mich zwangssterilisierten, bis heute habe ich große Schmerzen und leide ständig an Harnwegsinfektionen. Sie haben mein Leben ruiniert."

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Die Zwangssterilisationen, die im Zuge des Nationalen Programms zur Familienplanung an mehr als 300.000 Indigenen und armen Bauern vorgenommen wurden, "zeigen die bedauernswerte Tradition von Diskriminierung benachteiligter Bevölkerungsgruppen des Landes auf", so die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Die Frauenrechtsorganisation Demus warnte nach der Aussage des Arztes erneut davor, dass eine mögliche Regierung unter Keiko Fujimori die Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Überlebenden dieser Verbrechen gegen die Menschheit gefährden würde. Die Tochter des Ex-Präsidenten, die als Kandidatin bei der Präsidentschaftswahl antritt, leugnet bis heute die Verantwortung des Staates für Zwangssterilisationen. Die 40-Jährige gilt nach Umfragen als Favoritin für die Wahl am 10. April.

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