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26.04.2016 Südamerika / Politik

Venezuela übernimmt Präsidentschaft der Unasur

Außenministerin Delcy Rodríguez am Samstag in Quito, Ecuador

Außenministerin Delcy Rodríguez am Samstag in Ecuadors Hauptstadt Quito

Quito. Venezuelas Außenministerin Delcy Rodríguez hat für ein Jahr die Präsidentschaft der Union südamerikanischer Nationen (Unasur) übernommen, die zuvor Uruguay innehatte. Die Unasur-Außenminister trafen sich am Wochenende im Hauptsitz des Bündnisses in Ecuadors Hauptstadt Quito, um dringende Themen wie die Lage in Ecuador nach dem Erdbeben sowie die politische Krise in Brasilien zu diskutieren.

Die Zusammenkunft begann mit einer Schweigeminute für die Opfer des Erdbebens im nördlichen Küstengebiet von Ecuador, bei dem nach bisherigen Erkenntnissen 655 Menschen ums Leben kamen und mehr als 16.000 verletzt wurden, weitere 48 werden noch vermisst. Rund 29.000 Menschen sind derzeit in Notunterkünften untergebracht.

Im Hinblick auf die gegenwärtige Katastrophe betonte Ecuadors Außenminister Guillaume Long die Bedeutung der Integration Lateinamerikas in Situationen wie der aktuellen. Denn nur durch Nothilfe und langfristige Unterstützung beim Wiederaufbau durch die Länder der Region könnten die Folgen bewältigt werden. In manchen Orten seien die Wohnhäuser und die Infrastruktur bis zu 85 Prozent zerstört, beschrieb Long die Auswirkungen des Bebens.

Außenministerin Rodríguez gab bekannt, dass nun erstmals Maßnahmen umgesetzt werden, die im "Handbuch für gegenseitige Hilfe bei Naturkatastrophen" der Unasur geregelt sind. Dieses wurde im Dezember 2015 beschlossen und soll dazu dienen, dass die Mitgliedsländer "koordiniert und institutionalisiert" bei Katastrophenschutz und humanitärer Hilfe zusammenarbeiten.

Unasur-Generalsekretär Ernesto Samper bekräftigte, die Tragödie in Ecuador habe erneut gezeigt, dass der Sinn der Integration Lateinamerikas in der Solidarität liege. Die regionale Einheit gehe aber auch mit politischen Herausforderungen einher. So bezeichnete er die Situation in Brasilien als "sehr besorgniserregend". Die Opposition scheine entschlossen zu sein, Präsidentin Dilma Rousseff aus dem Amt zu zwingen. Unter dem Vorsitz Venezuelas werde die Unasur sich weiter dafür stark machen, dass "die politischen Akteure in Brasilien der Demokratie verpflichtet bleiben," so Samper.

Das Generalsekretariat des Regionalbündnisses hatte die Entscheidung der Abgeordnetenkammer für ein Absetzungsverfahren gegen Rousseff erst kürzlich kritisiert und die Opposition aufgefordert, diesen Prozess zu stoppen, "der die Demokratie und die Rechtssicherheit in der Region ernsthaft beeinträchtigen kann", hieß es in der Stellungnahme.

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