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Konflikt um Bildungsreform in Mexiko spitzt sich zu

Tausende Lehrerinnen und Lehrer protestierten gegen die Bildungsreform der Regierung

Tausende Lehrerinnen und Lehrer protestierten gegen die Bildungsreform der Regierung

Quelle: facebook.com

Mexiko-Stadt. Der Streik mexikanischer Lehrer gegen die Bildungsreform geht in seine vierte Woche und weitet sich Tag für Tag aus. Zunehmend erhält der Protest gegen den 2013 initiierten Reformversuch der Regierung Unterstützung anderer Sektoren, wie Angestellten aus dem Bildungsbereich und von Lokalverwaltungen. In den vergangenen Tagen fanden Protestaktionen an verschiedenen Orten des Landes zeitgleich statt. Besonderen Rückhalt hat die Bewegung in den Bundesstaaten Oaxaca, Chiapas, Michoacán, Colima und Tabasco. Rund 13.000 Menschen demonstrierten am Mittwoch in Morelia, der Hauptstadt Michoacáns.

Neben den Protestmärschen kam es an mehreren Orten zur Besetzung von Büros und Plätzen sowie zu Blockaden wichtiger Straßen. In Oaxaca de Juarez wurde der Hauptplatz bereits zu Beginn des Streiks, am 15. Mai, in ein großes Zeltlager verwandelt und gilt seitdem als Symbol der Ausdauer des Widerstands.

Währenddessen werden in der mexikanischen Gesellschaft die Rechtmäßigkeit und Ausdrucksformen des Protests heftig diskutiert. Vielerorts gibt es Kritik am wochenlangen Unterrichtsausfall infolge des Streiks sowie an den Behinderungen im öffentlichen Verkehr. Gleichzeitig erhalten die streikenden Lehrer zunehmend Solidaritätsbekundungen, etwa durch soziale Organisationen, berichtete die Tageszeitung Jornada. Zuletzt sprachen sich 200 Intellektuelle in einem offenen Brief an das Bildungsministerium für mehr Respekt gegenüber den Lehrern aus.

Während Bildungsminister Aurelio Nuño Mayer sich weigert, in Verhandlungen zu treten, geht der Protest weiter. In Mexiko-Stadt versuchte ein Demonstrationszug am Freitag, den Flughafen der Hauptstadt zu erreichen. Tausende Polizisten sperrten ganze Straßenzüge, um dies zu verhindern. In Tuxtla Gutierrez, Chiapas, setzte sich am Donnerstag eine Karawane aus rund 1.800 Lehrern in Bewegung. Am 10. Juni wollen die Hauptstadt erreichen und dort erneut die Rücknahme der Reform sowie einen nationalen Dialog fordern, so Pedro Gómez von der Bildungsgewerkschaft (SNTE) am Donnerstag.

Einen negativen Höhepunkt erreichten die Proteste vergangene Woche, als in Chiapas einem Dutzend Lehrerinnen und Lehrern, die sich nicht am Streik beteiligen wollten, öffentlich der Kopf kahlgeschoren wurde. Bei den Aggressoren handle es sich um Eingeschleuste, erklärte die Lehrergewerkschaft CNTE, die die Proteste organisiert. Jemand versuche, den Streik zu diskreditieren.

Die Gewerkschaft fordert einen "Runden Tisch" mit dem Bildungsminister und weiteren Regierungsvertretern, um die Bildungsreform zu diskutieren. Sie kritisiert, dass die Reform die Privatisierung des Bildungssystems vorantreibt und sich damit die Arbeitsbedingungen des Lehrpersonals verschlechtern. Die CNTE ist nicht gegen eine Bildungsreform, die das prekäre Bildungsniveau im Land verbessert, will aber mitbestimmen können.

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21.05.2016 Nachricht von Leticia Hillenbrand