Citibank schließt Konten für Venezuelas Auslandszahlungen

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Sitz der Citibank in Caracas (Torre Citibank)
Sitz der Citibank in Caracas (Torre Citibank)

Caracas. Die US-amerikanische Citibank will die Devisenkonten der venezolanischen Zentralbank und der Banco de Venezuela (BCV) innerhalb von 30 Tagen schließen. Dies gab Venezuelas Präsident Nicolás Maduro bekannt. Aufgrund des Wechselkurssystems des Landes fungiert die Citibank als einzige Korrespondenzbank für alle Auslandszahlungen der Regierung sowie öffentlicher und privater Importeure. Transaktionen für die Zahlung von Importen werden zentral über die BCV, und damit über ihre Korrespondenzbank, die Citibank, abgewickelt.

In einer Stellungnahme erklärte die Citigroup, einer der größten Finanzdienstleister der Welt, gegenüber der Financial Times, sie habe nach einer turnusmäßigen Überprüfung der Risiken beschlossen, die Korrespondenzfunktion und den Service für bestimmte Konten in Venezuela einzustellen. Wie die Zeitung El Nacional meldete, habe "eine regulative Änderung der US-Notenbank das Risiko für Korrespondenzbanken erhöht." Bereits im März berichtete der lateinamerikanische Fernsehsender Telesur über den Rückzug vieler US-Banken als Korrespondenzbanken in der Region, wovon jedoch zumeist kleinere Banken in Zentralamerika und der Karibik betroffen gewesen seien.

Führende Politiker der regierenden Vereinten Sozialistischen Partei (PSUV) ordneten die Schließung der Konten in den Kontext des Rückzugs internationaler Konzerne und einer gegen Venezuela gerichteten US-Politik ein. Präsident Maduro bezeichnete das Vorgehen der Citibank als "Finanzblockade", der Venezuela trotzen werde. "Venezuela hält niemand auf, mit oder ohne Citibank, mit oder ohne Kimberly, wir werden weiter voranschreiten", so der Staatschef.

Rafael Guzmán, Abgeordneter der Oppositionpartei Primero Justicia und Vorsitzender der Unterkommission der Finanz- und Steuerpolitik der Nationalversammlung, erklärte, dass die Kommission die Gründe für den Rückzug der Citibank untersuchen werde. Die Entscheidung der Bank habe unter anderem mit fehlender Transparenz bei der Verwaltung von Devisen und der herrschenden Korruption zu tun, , so Guzmán.

Analysten zufolge wird die Maßnahme der Citibank negative Auswirkungen auf das Funktionieren des komplexen Wechselkurssystems haben, da die gesamte Struktur über Korrespondenzkonten ablaufe. Der Ökonom César Aristimuño warnte vor einem möglichen weiteren Anstieg des Schwarzmarktwechselkurses, sollte die Regierung die Situation nicht binnen weniger Tage lösen.

Zukünftig bleiben Venezuela folgende Möglichkeiten: die Suche nach einer neuen zentralen Korrespondenzbank, oder eine Veränderung der Regularien, so dass jede Bank eigene Korrespondenzbanken für internationale Bankgeschäfte nutzen könnte. Laut einer BCV-nahen Quelle seien zwei US-amerikanische Banken daran interessiert, zukünftig als Korrespondenzbank der BCV zu fungieren. Auch sei die venezolanische Regierung in Gesprächen mit Finanzinstituten in Ecuador, Russland und China.

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