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14.11.2016 Lateinamerika / Soziales

Prekäre Arbeitsbedingungen für Landarbeiter in Lateinamerika

Logo der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO)

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Quelle: Denelson83
Lizenz: CC by-sa 3.0

Lima. In Lateinamerika arbeiten über 50 Millionen Menschen im landwirtschaftlichen Sektor unter prekären Bedingungen. Auf diese alarmierende Situation weist die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) in ihrem aktuellen Bericht zu "Arbeiten auf dem Land im 21. Jahrhundert" hin. Darin bekräftigt das ILO-Regionalbüro für Lateinamerika und die Karibik mit Sitz in Perus Hauptstadt Lima: "In Lateinamerika und der Karibik leben 20 Prozent der Arbeiter auf dem Land. Sie gehören zu einem ländlichen Arbeitsmarkt, der sich durch prekäre Beschäftigungsbedingungen und geringen Lohn auszeichnet. Die Armutsrate ist doppelt so hoch wie in den städtischen Zonen."

Es ist das erste Mal, dass ein Bericht ein aktualisiertes Panorama der Realitäten und Beschäftigungsperspektiven auf dem Land in einer Region zeichnet, die in den letzten drei Jahrzehnten eine beschleunigte Urbanisierung erfahren hat. Die Abwanderung von Jugendlichen, eine Zunahme der älteren Bevölkerungsgruppe, ein Rückgang der landwirtschaftlichen Beschäftigungsmöglichkeiten und der Anstieg von Nicht-Agrarjobs sind nur einige der Phänomene, die dieses Panorama prägen.

Laut José Manuel Salazar, Leiter des Regionalbüros, sind 52 Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter auf dem Land verzeichnet, davon befinden sich 27 Millionen in einer gefährdeten Beschäftigungssituation. "Abgesehen von einigen Fortschritten bestehen weiterhin tiefe Gräben. Gerade im ländlichen Bereich konzentrieren sich in der Region Armut, Exklusion und Informalität", so Salazar. Um weitere Rückschritte zu verhindern, sollte sich die Politik vor allem darauf richten, eine produktive Inklusion und Arbeitsintegration für alle diejenigen zu fördern, die auf dem Land arbeiten oder dort einen Bauernhof haben.

Zu den Fortschritten zählt der Bericht die Tatsache, dass zwischen 2005 und 2014 die Abdeckung mit Krankenversicherungen erhöht wurde. Allerdings besteht weiterhin eine Schieflage: Nur 37 Prozent der Arbeiter auf dem Land sind versichert, gegenüber 62 Prozent der Beschäftigten in der Stadt. Ebenso ist die Armutsquote auf dem Land doppelt so hoch wie in der Stadt: 46 Prozent der Bevölkerung auf dem Land sind von Armut betroffen (circa 60 Millionen Menschen), während die Armutsrate in der Stadt bei 23,8 Prozent liegt. Die Land-Stadt-Divergenz zeigt sich auch im Fall der Frauen: Nur 35 Prozent der Frauen auf dem Land befinden sich in einem Lohnarbeitsverhältnis, während es in der Stadt 70 Prozent sind.

Die ILO empfiehlt den Regierungen Lateinamerikas daher Politikansätze zu verstärken, die eine produktive Entwicklung, Investitionen und die berufliche Ausbildung fördern. Besonders Wert gelegt werden sollte auf Verbesserungen beim Landbesitz, Investitionen für die Infrastruktur, Diversifizierung und produktive Entwicklung mit regionalem Fokus sowie Projekte, um Kleinproduzenten besser mit globalen Lieferketten zu verbinden.

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17.01.2012 Nachricht von Christian Russau