Schuldzuweisungen wegen verschwundenem U-Boot in Argentinien

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verschwundenes U-Boot Argentinien
Das U-Boot ARA San Juan wurde in einer argentinischen Werft generalüberholt und dabei mit neuen Batterien deutscher Hersteller ausgestattet

Buenos Aires. Das vor knapp einem Monat vor der argentinischen Küste verschwundene U-Boot ARA San Juan bleibt weiterhin unauffindbar. Mittlerweile gibt es jedoch Schuldzuweisungen der aktuellen Regierung, wer für die im Raum stehende Explosion der Batterien an Bord verantwortlich sein könnte. So wird zwei deutschen Firmen vorgeworfen, bei einer Generalüberholung vor einigen Jahren nicht gewissenhaft gearbeitet zu haben. Außerdem sollen damals Schmiergelder gezahlt worden sein.

Die Unternehmen Ferrostaal aus Essen und EnerSys-Hawker aus Hagen hatten die 964 Batteriezellen geliefert, die bei dem U-Boot ausgetauscht wurden. Die ARA San Juan war 1983 in Emden gebaut, im Jahr 2007 und zwischen 2011 und 2014 dann aber in einer argentinischen Werft generalüberholt worden. Im Zuge dessen sollen auch Schmiergelder geflossen sein, wie der amtierende argentinische Verteidigungsminister Oscar Aguad äußerte. Es sei damals nicht alles mit rechten Dingen zugegangen und "alle Verdachtsmomente lassen annehmen, dass hier Korruption vorlag".

Auch die Abgeordnete der Partei Propuesta Republicana (Republikanischer Vorschlag, Pro) Cornelia Schmidt-Liermann aus dem Lager des aktuellen Präsidenten Mauricio Macri spricht von Schmiergeldern, die zwischen den deutschen Unternehmen und der früheren Regierung Kirchner geflossen sein sollen. Von argentinischer Seite wurde jetzt eine Anfrage an die deutsche Bundesregierung gerichtet, bei der Aufklärung der damaligen Umstände behilflich zu sein. Dieser Bitte wolle man nun nachkommen: "Selbstverständlich ist die Bundesregierung bereit, Argentinien vollumfänglich dabei zu unterstützen", so das Bundeswirtschaftsministerium auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung.

Schmidt-Liermann erklärte außerdem, es bestehe der Verdacht, dass die Batterien, die ersetzt worden sind, teilweise oder ganz nicht von der Qualität waren, die sie hätten haben sollen. "Wir wissen auch nicht, woher sie kamen, aus Deutschland oder einem anderen Land. Deswegen wollen wir wissen, welche Techniker vor Ort waren und wer dann unterzeichnet hat: 'Das ist jetzt repariert.' Diese Information haben wir nicht und die brauchen wir."

Das wirft wiederum die Frage auf, warum das U-Boot zuletzt überhaupt als einsatzfähig eingestuft wurde, wenn denn bereits seit längerer Zeit Befürchtungen dieser Art bekannt waren. Insbesondere Angehörige der Besatzungsmitglieder werfen der Regierung Macri vor, unverantwortlich gehandelt zu haben. Diese sucht ihrerseits die Verantwortlichen nun bei der vorherigen Regierung und deutschen Unternehmen.

Mittlerweile hat das an der Suche des U-Boots beteiligte US-amerikanische Aufklärungsboot Atlantis möglicherweise neue Hinweise auf den Verbleib der ARA San Juan. Man habe "einen neuen Kontakt" aufgespürt. Jedoch sei das Gebiet geographisch schwer zugänglich, da es von mehreren tiefen Unterwassergräben durchzogen werde. So würden auch gesendete Echosignale unter Umständen falsche Rückschlüsse erlauben.  

Hoffnung auf ein Überleben der 44 Besatzungsmitglieder gibt es keine mehr, auch wenn das U-Boot nach vier Wochen noch immer nicht lokalisiert werden konnte und somit nicht abschließend geklärt werden kann, was zum Verschwinden geführt hat.

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