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12.02.2018 Uruguay / Politik

Jubiläum in Uruguay: 47 Jahre Frente Amplio

Feiern zum Jubiläum der Frente Amplio in Uruguay

Feiern zum Jubiläum der Frente Amplio in Uruguay

Quelle: pcu.org.uy

Piriapolis, Uruguay. Rund 15.000 Anhänger des Mitte-links-Parteienbündnisses Frente Amplio (Breite Front, FA) haben am 5. Februar in der Küstenstadt Piriapolis an einem Jubiläumsfestakt anlässlich des 47-jährigen Bestehens der Allianz teilgenommen. Sie waren aus allen Teilen des Landes gekommen, um ihre Unterstützung für die Koalition zu demonstrieren, die seit 2005 an der Regierung ist.

Die gegenwärtige Vize-Präsidentin Uruguays und Ehefrau des Ex-Präsidenten José Pepe Mujica, Lucía Topolanski, hielt als erste ihre Rede. Gefolgt vom Präsidenten der Frente Amplio, Javier Miranda, und der Vorsitzenden der Koalition im Department Maldonado, Susana Hernández.

Topolanski erinnerte an die zahlreichen Verbesserungen, die von den bisherigen progressiven Regierungen unter Tabaré Vázquez und José Mujica erreicht wurden. "Uruguay ist kein Paradies, doch es hat sich entscheidend verändert", so Topolanski

Tatsächlich haben zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen besonders im sozialen Bereich, in der Erziehung, bei den Rechten der Arbeitnehmer und in den staatlichen Institutionen mehr sozialen Ausgleich und Integration geschaffen. Andererseits stiegen die Lebenshaltungskosten in den vergangenen zwei Jahren, vor allem im Bereich Nahrungsmittel und beim Wohnraum, was den Sozialmaßnahmen entgegenwirkt.

Dennoch ist man in weiten Kreisen der Bevölkerung offenbar davon überzeugt, dass es keine Alternative zur Frente Amplio gibt. Außerdem haben Regierungsgegner in den vergangenen Wochen deutlich gemacht, dass sie sich der reichen Oberschicht verpflichtet fühlen. Eine Art Aufstand der Großgrundbesitzer dominierte die innenpolitische Berichterstattung in Uruguay im Dezember und Januar. Doch die Regierung Vázquez erreichte mit Verhandlungen ein rationales Klima und die Versachlichung der Debatte.

Die letzten Umfragen zeigen einen Vorsprung der FA in der Wählergunst von immerhin fünf Prozent.

Am 5. Februar 1971, dem Gründungstag der Parteienkoalition, hatten sich im großen Festsaal des Parlaments in Montevideo gut hundert Vertreter der verschiedenen Gruppen und Parteien des linken und fortschrittlichen Spektrums in Uruguay getroffen. Den Vorsitz führte der Senator Zelmar Michelini, der fünf Jahre später von gedungenen Mördern der Diktatur in Argentinien umgebracht wurde. Außer den bereits traditionellen politischen Kräften wie der Sozialistischen und Kommunistischen Partei sowie Christdemokraten, nahmen neu gegründete Gruppen teil, die sich von der bislang dominierenden Zwei-Parteienwelt der "weißen" und "roten" Parteien verabschiedet hatten. Auch beteiligten sich sieben linke Organisationen. Eine herausragende Figur der Gründungsbewegung war der 2004 verstorbene General Liber Seregni, der erste Präsidentschaftskandidat der Frente Amplio nach ihrer Gründung.

Im Juni 1973 wurde das Parlament aufgelöst. Eine Militärdiktatur unter Mitwirkung von Politikern der traditionellen "weißen" und "roten" Parteien übernahm offiziell die Macht. Schon in den Vorjahren hatten harte Repressionsmaßnahmen gegen Studenten und Gewerkschafter eine kommende Diktatur voraussehen lassen.

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