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19.11.2017 Uruguay / Menschenrechte

Aufklärung von Diktaturverbrechen in Uruguay wahrscheinlicher

In Uruguay findet jedes Jahr am 20. Mai ein Schweigemarsch zum Gedenken an die Opfer der Diktatur statt, 2014 war das Motto: "Wo sind sie? Warum das Stillschweigen?"

In Uruguay findet jedes Jahr am 20. Mai ein Schweigemarsch zum Gedenken an die Opfer der Diktatur statt, 2014 war das Motto: "Wo sind sie? Warum das Stillschweigen?"

Quelle: Vilma Guzmán

Montevideo. Seit dem 5. November werden in Uruguay bisher gesperrte Archivakten aus den Zeiten der Diktatur in Uruguay (1973-1985) Personen mit begründetem Interesse zugänglich gemacht. Damit können erstmals gezielt Beweise zu Menschenrechtsverbrechen gesucht werden, die der Öffentlichkeit seit über drei Jahrzehnten verwehrt worden waren.

Präsident Tabaré Vázquez hatte nach seiner Wiederwahl 2014 eine spezielle Kommission zur Aufarbeitung einer umfangreichen Dokumentation aus dem Verteidigungsministerium eingesetzt. Tausende von Akten, Fotos und Mikrofilmen werden seitdem gesichtet und systematisch erfasst, um das Material überhaupt handhabbar zu machen. Die Gruppe besteht aus Historikern, Archivaren und Familienangehörigen der Opfer. Das gesamte Material soll zugleich digitalisiert werden. Seit wenigen Tagen haben nun Personen mit einem berechtigten Interesse das Recht, Einsicht in die Unterlagen zu erlangen. Als nächsten Schritt zur Aufklärung will die Kommission die Archive der Luftwaffe nach Beweismaterial aus der Diktatur durchsuchen.

Bereits im Jahr 2007 hat die unter der ersten Regierung der Mitte-links Koalition Frente Amplio amtierende Verteidigungsministerin Azucena Berrutti in ihrem Ministerium zahlreiche Aktenbestände aus der Zeit der Diktatur ausfindig gemacht. Nach einer ersten Sichtung war Berrutti klar, dass es sich nur um einen Teil handelte, und dass weiteres Aktenmaterial ausgelagert worden war. Noch während ihrer Amtszeit identifizierte sie mögliche Verstecke und beantragte Hausdurchsuchungen bei zwei hochrangigen Militärs. Doch diese haben nie stattgefunden. Kurze Zeit später trat die Verteidigungsministerin bei einer Umbildung des Kabinetts von Vázquez zurück.

Erst als einer der verdächtigten Militärs, Oberst Elmer Castiglioni, im Jahre 2015 verstarb, fanden seine Angehörigen 60 Kisten mit Dokumenten in seinem Haus.

Der damalige Nachfolger der zurückgetretenen Verteidigungsministerin, José Bayardi, behauptete, niemals etwas von dem Untersuchungsvorgang gewusst zu haben. Auch Präsident Vázquez habe ihm keinerlei Weisungen in dieser Sache erteilt. Er hätte anderenfalls die Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Nun haben die Angehörigen der Verschwundenen und Ermordeten aus der Militärdiktatur erstmals eine Chance, die Wahrheit über das Schicksal der Opfer zu erfahren. Denn bis halten die verantwortlichen Militärs eine Mauer des Schweigens aufrecht. Die wenigen Fälle, die seit 1985 aufgeklärt wurden, sind den Aussagen von Zeugen aus der Bevölkerung oder von einfachen Soldaten zu verdanken.

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