Flüchtende aus Afrika in Kolumbien ertrunken

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Der Golf von Urabá ist eine der gefährlichsten Fluchtrouten von Süd- nach Nordamerika
Der Golf von Urabá ist eine der gefährlichsten Fluchtrouten von Süd- nach Nordamerika

Acandí, Kolumbien. Zwei Wochen nachdem ein Schiff mit 32 Personen an Bord vor der Küste Kolumbiens gesunken ist, geht die Suche nach Vermissten weiter. Die kolumbianische Marine bestätigte, dass bereits 19 Leichen geborgen wurden, darunter elf Minderjährige. Die Küstenwache hatte zuerst zwei leblose Körper im Golf von Urabá entdeckt. Acht Menschen konnten lebend gerettet werden, die Übrigen bleiben bislang vermisst. Es soll sich dabei um Flüchtende aus dem Kongo handeln.

Angaben der lokalen Presse zufolge waren starker Wellengang und Überlastung die Ursachen für den Schiffbruch. Trotz weiterhin sehr hohen Wellen wird "die Such- und Rettungsaktion wird fortgesetzt", hieß es in einer Erklärung der beteiligten Einheiten des Militärs.

Auf dem Boot, das in der Nacht auf den 28. Januar die Stadt Acandí im Nordwesten des Landes verlassen hatte, befanden sich laut kolumbianischer Zoll- und Migrationsbehörde zum Großteil Migranten aus dem Kongo. Eine abschließende Identifizierung der Opfer stehe jedoch noch aus, sagte der Direktor der Behörde, Christian Krüger. Überlebende gaben zudem an, dass der Fahrer des Bootes zum Unfallzeitpunkt unter Einfluss von Alkohol gestanden habe.

Lilian Córdoba, Bürgermeisterin von Acandí, erklärte, das Boot sei auf dem Weg nach Panama gewesen, als es kenterte. Die Grenze zu dem Nachbarland befindet sich nur etwa 20 Kilometer von Acandí entfernt. Der Golf von Urabá in der südlichen Karibik gilt als einer der wichtigsten Seekorridore für Migranten, die aus dem Süden des Kontinents nach Mittelamerika gelangen wollen.

Viele der Flüchtenden, die über diese Route kommen, stammen aus asiatischen und afrikanischen Ländern. Es handelt sich bei ihren Reisen jedoch weniger um sogenannte Süd-Süd-Migration von Afrika nach Lateinamerika. Vielmehr spielt der lateinamerikanische Kontinent eine wichtige Rolle als Ankunftsort für eine Weiterreise in die USA.

Die Gründe für den Weg über den südlichen Teil des Doppelkontinents sind verschieden. In einigen süd- und mittelamerikanischen Ländern sind die Einreisebedingungen günstig für Menschen aus afrikanischen Staaten. So nutzen Senegalesen oftmals Bolivien als Ankunftsort, Ghanaer verstärkt Ecuador. Von dort aus führt der Weg in die Vereinigten Staaten vor allem über Land, was das Reisen weniger gefährlich macht. Besonders die Länder Mittelamerikas werden so zu ständigen Transitorten für Migranten.

Der kurze Seeweg im Golf von Urabá - zwischen kolumbianischem und panamaischen Staatsgebiet - wird dennoch immer wieder für Überfahrten in kleinen Schiffen und Booten genutzt. Dabei kommt es an der felsigen Küste nicht selten zu Unfällen. Alleine im vergangenen Jahr wurden laut dem kolumbianischen Radiosender RCN mehr als 650 Erwachsene und über 50 Kinder aus den Gewässern von Urabá gerettet.

Die Behörden gehen bereits verstärkt gegen die "Kojoten" genannten Schleuser vor. In den vergangenen drei Jahren wurden 170 von ihnen festgenommen. Auch dem Schleuser des zuletzt verunglückten Bootes sei man auf der Spur, betonte Krüger von der kolumbianischen Migrationsbehörde.

Für die Überlebenden des Schiffbruchs steht jedoch noch einiges auf dem Spiel. Denn ob sie in Kolumbien bleiben dürfen oder sie in ihre jeweiligen Herkunftsländer abgeschoben werden, müsse noch festgestellt werden, hieß es von Seiten des Außenministeriums.

Bürgermeisterin Códoba hingegen steht mittlerweile vor einem anderen Problem. "Die Familien melden sich bereits bei mir", sagte Córdoba. Verwandte der Opfer setzen sich für eine Rückführung der Toten ein. Das Problem: diese wurden bereits auf dem Friedhof in Acandí begraben. Nun müssen die Migrationsbehörde und das Außenministerium über weitere Schritte entscheiden.

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