Lateinamerika / Politik

Linke in Lateinamerika trauert um Marta Harnecker

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Martha Harnecker bei der Vorstellung ihres letzten Buches im Jahr 2013
Martha Harnecker bei der Vorstellung ihres letzten Buches im Jahr 2013

Vancouver. Martha Harnecker, eine der anerkanntesten Intellektuellen der lateinamerikanischen Linken, ist am Samstag im Alter von 82 Jahren im kanadischen Vancouver verstorben. Führungspersönlichkeiten und soziale Bewegungen betonen die Bedeutung der Arbeit Harneckers und ihres Erbes. Sie schrieb zahlreiche Bücher zu Politik, Marxismus und Philosophie, darunter im Jahr 1969 "Grundlegende Konzepte des historischen Materialismus" (Conceptos elementales del materialismo histórico), das für die politische Bildung vieler radikaler Linker in der Region, aber auch in Spanien und Frankreich bedeutend war.

Harnecker, die an Krebs erkrankt war, verbrachte ihre letzten Jahre in Kuba, wo ihre Tochter lebt, und in Kanada mit ihrem Lebensgefährten, dem Ökonom Michael Lebowitz

Die Präsidenten von Venezuela, Nicolás Maduro, und Bolivien, Evo Morales, die Nationale Befreiungsfront Farabundo Martí (FMLN) aus El Salvador und zahlreiche Intellektuelle hoben die Bedeutung Harneckers für die popularen Bewegungen Lateinamerikas hervor. Die "Überlebende der Pinochet-Diktatur hat mit der Kraft ihrer Ideen die Befreiung der Völker von der kapitalistischen Ausbeutung inspiriert", schrieb Morales über den Kurznachrichtendienst Twitter. Ihr Tod bewege "die Revolutionäre der Welt", erklärte Maduro und betonte "den Umfang, die Tiefe und den offensiver Charakter" ihrer Werke, die der Sache der Völker Lateinamerikas gewidmet seien.

Die mexikanische Tageszeitung La Jornada erinnerte daran, dass sie Mitglied des "Netzwerk Intellektueller und Künstler zur Verteidigung der Menschheit" war und 82 Bücher hinterlässt. Darunter "Kuba: Diktatur oder Demokratie" von 1975 (Cuba: ¿dictadura o democracia?'); "Die soziale Revolution (Lenin und Lateinamerika)", 1985 (La revolución social (Lenin y América Latina); "Indigene, Christen und Studenten in der Revolution", 1987 (Indígenas, cristianos y estudiantes en la revolución); "Das Unmögliche möglich machen: Die Linke an der Schwelle des 21. Jahrhunderts", 1999 (Haciendo posible lo imposible: La izquierda en el umbral del siglo XXI); "Wiederaufbau der Linken", 2006 (Reconstruyendo la izquierda). Für ihr letztes Buch, "Eine Welt erschaffen (neue Wege)" von 2013 (Un mundo a construir (nuevos caminos) erhielt sie in Venezuela den Libertador-Preis für kritisches Denken.

Harnecker wurde 1937 in Chile geboren, studierte Soziologie an der Katholihschen Universität und machte ihren Abschluss in Paris. 1960 besuchte sie erstmals Kuba. Zurück in Chile war sie ab 1968 Dozentin für Historischen Materialismus und Politische Ökonomie und Herausgeberin der Zeitschrift Chile Heute (Chile hoy). Sie war Mitglied der Sozialistischen Partei und arbeitete mit der Regierung von Salvador Allende zusammen. Nach dem Putsch ging sie ins Exil nach Kuba, wo sie mit dem früheren Comandante der Revolution, Manuel Piñeiro (1933-1998) zusammenkam, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat. Harnecker war Leiterin des Lateinamerikanisches Forschungszentrum für populare Erinnerung in Havanna. Sie lebte mehrere Jahre in Venezuela, wo sie mit der Regierung von Präsident Hugo Chávez zusammenarbeitete und zur Leitung des Internationalen Zentrums Miranda gehörte.

Die venezolanische Publikation "Así somos" verweist darauf, Harnecker habe in ihren Arbeiten aufgezeigt, "dass der Sozialismus kein Projekt ist, das ohne Kampf denkbar ist, und dass er nicht von oben gemacht werden kann, denn er muss das Ergebnis der Kämpfe der Bewegung der Völker und unterdrückten Klassen sein."

Amerika21 hat 2017 ein Interview mit Martha Harnecker zu Marxismus, Venezuela und der lateinamerikanische Linken veröffentlicht. Ihren Beitrag zur neuen Stellung der sozialen Bewegungen angesichts der progressiven Regierungen aus dem Jahr 2015 finden sie hier.

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