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Prozess gegen Ex-Pemex-Chef soll Aufschluss über Korruption in Mexiko geben

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Emilio Lozoya beim Weltwirtschaftsforum zu Lateinamerika in Cartagena, Kolumbien, im April 2010
Emilio Lozoya beim Weltwirtschaftsforum zu Lateinamerika in Cartagena, Kolumbien, im April 2010

Mexiko-Stadt. Emilio Lozoya Austin, der Ex-Chef des hochverschuldeten staatlichen Ölkonzerns Pemex, ist am 17. Juli an Mexiko ausgeliefert worden. Der in Spanien festgenommene Ökonom wird der Korruption, Geldwäsche und des Betrugs im Zusammenhang mit dem Odebrecht-Skandal und dem Stahlunternehmen Altos Hornos de México (AHMSA) beschuldigt.

Lozoya war von 2012 bis 2016 Direktor von Petróleos Mexicanos (Pemex). Ihm wird unter anderem vorgeworfen, mehr als zehn Millionen US-Dollar von Odebrecht, dem größten Baukonzern Lateinamerikas mit Hauptsitz in Brasilien, angenommen zu haben. Die Zahlungen sollen bis ins Jahr 2012 zurückgehen. Zu der Zeit war Lozoya enger Vertrauter und Chef-Stratege der Wahlkampagne von Enrique Peña Nieto, dem späteren Präsidenten. Teile des Bestechungsgeldes sollen in den Wahlkampf von Nieto geflossen sein. Lozoya soll Odebrecht geholfen haben, Verträge mit Pemex zu bekommen.

Der Skandal um den Baukonzern sorgte in ganz Lateinamerika für Aufsehen. In zehn Ländern der Region hat Odebrecht nach eigenen Angaben Bestechungsgelder in Höhe von insgesamt 735 Millionen US-Dollar gezahlt, um staatliche Aufträge zu erhalten. Gegen eine Vielzahl hochrangiger Politiker wird ermittelt.

Nachdem die Polizei acht Monate lang unter anderem in Deutschland, Großbritannien, Italien, Russland, den USA und Spanien nach ihm gesucht hatte, wurde Lozoaya im Februar 2020 in Málaga, Spanien, verhaftet. Ende Juni stimmte der 45-Jährige der Auslieferung nach Mexiko zu.

2019 wurde schon seine Mutter festgenommen, auch gegen seine Schwester und seine Ehefrau liegen internationale Haftbefehle im Zusammenhang mit dem Odebrecht-Skandal vor.

Im Jahr 2016 wurde bekannt, dass Lozoya in den Skandal verwickelt war. So soll er sich unter anderem von dem Odebrecht-Geld Luxusimmobilien gekauft haben. Doch erst mit dem Amtsantritt von Andrés Manuel López Obrador (Amlo) als neuer Präsident 2019 wurde Anklage gegen ihn erhoben. Dieser hatte im Wahlkampf zugesagt, dass er gegen die Korruption im Land vorgehen werde.

"Der Prozess gegen Lozoya wird viel dazu beitragen, herauszufinden, was passiert ist, und um weiter gegen Korruption und Straflosigkeit zu kämpfen", erklärte der Präsident zur Auslieferung. Es wird erwartet, dass der Ex-Pemex-Chef gegen Peña Nieto aussagen wird. Dieser soll laut Lozoyas Anwalt ebenso in den Korruptionsskandal involviert sein.

Lozoya hat sich zu Aussagen über die Korruption bei Pemex bereit erklärt. So habe der Erdölkonzern unter Lozoya als Direktor etwa eine alte petrochemische Fabrik zum überhöhten Preis von 442 Millionen US-Dollar gekauft, die schon 14 Jahre nicht mehr in Betrieb war. Der einzige Profiteur des Kaufs und der teuren Sanierung war das Stahlunternehmen Altos Hornos de México (AHMSA). Dessen damaliger Chef, Alonso Ancira, wurde ebenso wegen Korruption und Geldwäsche festgenommen.

"Es wird sehr interessant werden, von diesem Mann zu hören, wie viel Geld er erhalten hat und wie das Geld verteilt wurde", kommentierte Amlo die Kooperationsbereitschaft des Angeklagten.

Der Prozess gegen Lozoya soll in den nächsten Tagen beginnen. Eigentlich hätte nach seiner Ankunft in Mexiko vergangenen Freitag eine erste Gerichtsverhandlung stattfinden sollen. Wegen gesundheitlicher Probleme musste er jedoch ins Krankenhaus eingeliefert werden.

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