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Mexiko: Ehemaliger Pemex-Chef Lozoya in Spanien verhaftet

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Emilio Lozoya beim Weltwirtschaftsforum zu Lateinamerika in Cartagena, Kolumbien, im April 2010
Emilio Lozoya beim Weltwirtschaftsforum zu Lateinamerika in Cartagena, Kolumbien, im April 2010

Malaga/Mexiko-Stadt. Der per internationalem Haftbefehl gesuchte frühere Chef des staatlichen mexikanischen Erdölkonzerns Pemex, Emiliano Lozoya Austin, ist in Spanien festgenommen worden. Das hat Mexikos Generalstaatsanwaltschaft, die ihn wegen Geldwäsche und Bestechung sucht, bestätigt.

Als die ersten Meldungen über die Festnahme in Málaga auf Twitter auftauchten, regnete es Glückwünsche und Applaus. Denn in der in Mexiko ohnehin reichen Geschichte an korrupten Politikern sticht Lozoya als einer der höchsten Funktionäre heraus. Die größte Hoffnung der politischen Beobachter ist indes, dass Lozoya gegen seinen ehemaligen Chef, Ex-Präsident Enrique Peña Nieto (2012-2018), aussagt. Lozoya war im Jahr 2012 Mitglied seiner Wahlkampagne.

"Mein Mandant hat sich nicht selber Anweisungen gegeben”, erklärte sein Anwalt Javier Coello am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Mexiko, und ließ offen, ob Lozoya den Ex-Präsidenten belasten wird. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Bestechungsgelder in Millionenhöhe vom brasilianischen Baukonzern Odebrecht angenommen zu haben.

Während seiner Zeit als CEO, im Jahr 2014, kaufte Pemex für einen überhöhten Preis eine 30 Jahre alte petrochemische Fabrik, die zum Zeitpunkt des Verkaufs schon 14 Jahre lang nichts produziert hatte. Der Preis lag bei 442 Millionen US-Dollar, die Kosten für den Versuch, die veralteten Maschinen wieder zum Laufen zu bringen, steigerten sich auf 1,4 Milliarden. Einziger Nutznießer der Transaktion war der Verkäufer der Fabrik, die mexikanische Firma Altos Hornos de México, deren damaliger Chef Alonso Ancira im vergangenen Jahr ebenfalls wegen Korruption und Geldwäsche in Spanien festgenommen wurde.

Lozoya soll 2012 außerdem mehrere Luxusimmobilien mit Geld gekauft haben, das aus Offshore-Konten von Odebrecht an ihn floss. Nun wurde er in einer Luxus-Wohnanlage in Málaga festgenommen.

Der spanische Richter ordnete Untersuchungshaft “wegen Fluchtgefahr” an. Seit seiner Flucht aus Mexiko am 30. April 2019 gab es Hinweise, dass sich Lozoya in Deutschland aufhielt. Dort konnte er sich sicher sein, nicht ausgeliefert zu werden, denn seit seiner Heirat mit der Deutschen Marielle Eckes soll er die doppelte Staatsbürgerschaft besitzen. Mexiko hat nun 45 Tage Zeit, um einen Auslieferungsantrag zu stellen.

Viele Beobachter stellten die Festnahme in Zusammenhang mit dem Kampf von Präsident Andrés Manuel López Obrador (Amlo) gegen die Korruption. “Lozoya festgenommen. García Luna angeklagt. Robles im Knast. Bald kommen die nächsten, wer wird es sein? Peña Nieto? Calderón?”, fragt sich nicht nur ein Twitter-Nutzer.

Genaro García Luna war hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter unter Präsident Felipe Calderón (2006-2012), wurde im Dezember 2019 in den USA festgenommen und wegen Verschwörung zum Drogenhandel angeklagt. Rosario Robles war unter Peña Nieto Sozialministerin und sitzt wegen Korruption seit 2019 in Haft. Es ist davon auszugehen, dass sie alle kompromittierende Informationen über die Expräsidenten besitzen.

"Ich beglückwünsche den Generalstaatsanwalt zum ausgeführten Haftbefehl. Aktion, um das Ziel unseres Präsidenten der null Toleranz für Korruption und Straflosigkeit zu erfüllen”, twitterte Santiago Nieto, einer der obersten Korruptionsermittler des Landes. Er war 2017 von Peña Nieto abgesetzt worden, weil er gegen Lozoya ermittelt hatte.

Amlo selbst erklärte am Donnerstag: “Ich glaube, dass er ausgeliefert wird, weil unsere Staatsanwaltschaft gute Arbeit macht."

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