Führender Aktivist der Landlosenbewegung in Brasilien entführt und getötet

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Ênio Pasqualin (zweiter von rechts), ein führendes Mitgkied der Landlosenbewegung, wurde entführt und getötet
Ênio Pasqualin (zweiter von rechts), ein führendes Mitgkied der Landlosenbewegung, wurde entführt und getötet

Rio Bonito do Iguaçu, Paraná. Der Leiter der brasilianischen Landlosenbewegung (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra, MST) in Paraná, Ênio Pasqualin, ist tot aufgefunden worden. Die Ermittler schließen eine politisch motivierte Tat nicht aus.

Sein Leichnam wurde am Sonntagmorgen nahe der Siedlung Ireno Alves dos Santos im Bundesstaat Paraná gefunden. Laut Angaben der MST und des brasilianischen Online-Nachrichtenportals Brasil de Fato deuten die Verletzungen darauf hin, dass Pasqualin erschossen wurde.

Die Zentrale der MST teilte weiterhin mit, dass Pasqualin in der Nacht zuvor aus seinem Haus in der Siedlung Ireno Alves dos Santos entführt wurde. Seine Ehefrau gab an, dass es sich bei den Entführern um zwei bewaffnete Männer handelte. Sie seien Samstagnacht gewaltsam in das Haus der Familie eingedrungen und kurz darauf mit einem Lastwagen geflohen. Die Täter entwendeten Geld und Mobiltelefone und nahmen Ênio Pasqualin als Geisel.

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Die Behörde für öffentliche Sicherheit in Paraná äußerte sich bisher noch nicht zum Fall. Eine Anfrage von Brasil de Fato blieb ergebnislos. Die Zivilpolizeit der Gemeinde Laranjeiras do Sul ermittelt in dem Fall und geht bisher von mehreren möglichen Tatmotiven aus, darunter auch Raub mit anschließendem Mord. Eine politisch motivierte Handlung sei jedoch nicht ausgeschlossen.

Pasqualins Familie gab an, dass er über den WhatsApp-Messenger Drohnachrichten erhalten habe. Mitglieder der MST und Politiker äußerten den Verdacht der Einschüchterung durch Vertreter der Agrarindustrie. So kommentierte die Bundesabgeordnete und Parteivorsitzende der Arbeiterpartei PT, Gleisi Hoffmann, via Twitter, dass gewaltätige Räumungsaktionen sowie die Bedrohung der Agrarreform-Aktivisten stark zugenommen hätten, seit Präsident Jair Bolsonaro im Amt ist.

Ênio Pasqualin begann seine Tätigkeit für die MST im Jahr 1996 in Saudade do Iguaçu in Paraná. Noch im selben Jahr nahm er an einer der größten Besetzungs-Aktionen teil, in der das Giacomet Marodin, heute das Holzfällerunternehmen Araupel, von 3.000 MST-Familien besetzt wurde. Innerhalb der Bewegung fungierte er als Basiskoordinator und zuletzt als Vorsitzender in Paraná.

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