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Mexiko: Kunstinstitut kritisiert australische Modemarke wegen plagiierter Designs

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Mazatekischen Kleidungsstücke aus Oaxaca: Beliebt bei internationalen Modefirmen
Mazatekischen Kleidungsstücke aus Oaxaca: Beliebt bei internationalen Modefirmen

Oaxaca de Juárez. Das Institut für Kunsthandwerk im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca hat die australische Bekleidungsfirma Zimmermann öffentlich mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Nach Angaben des Instituts, das als Regierungsstelle alle Kunsthandwerker aus Oaxaca vertritt, kopiert Zimmermann mit ihren Kleidungsstücken aus der aktuellen Kollektion "Resort Swim 2021" Schnitte und Muster der mazatekischen Gemeinden aus dem Bundesstaat. Die Firma hat Niederlassungen in den USA, England, Italien und Frankreich. Kleidungsstücke der Kollektion werden für bis zu 850 Dollar verkauft.

Im Mittelpunkt der Kritik steht eine Bluse, die in ihrem Schnitt und dem Stickdesign große Ähnlichkeiten mit einem traditionellen Huipil aus der Gemeinde Jalapa de Díaz in der Region Papaloapan aufweist. Bei einem Huipil handelt es sich um ein traditionelles Kleidungsstück, welches zu festlichen Anlässen angezogen wird. Die Stickereien darauf repräsentieren die indigene Kosmovision sowie die Vielfalt der lokalen Flora und Fauna.

In einem offenen Brief des Instituts für Kunsthandwerk vom 12. Januar wird Zimmermann aufgefordert, die Ikonografie der Kleidungsstücke aus ihrer aktuellen Kollektion zu erklären und die kunsthandwerkliche Arbeit der Gemeinden anzuerkennen. Nach den Anschuldigungen gab es eine Videokonferenz zwischen Vertretern des Instituts und der Firma. Anschließend entschuldigte sie sich öffentlich, unter anderem über ihren Twitteraccount, und nahm die Bluse aus dem Verkauf. Es habe sich nicht um Vorsatz gehandelt. In Zusammenarbeit mit dem Institut in Oaxaca wolle man an einer passenden Lösung arbeiten, hieß es in dem Statement.

Alejandra Fausto, Mexikos Staatssekretärin für Kultur, schlug in diesem Zusammenhang vor, neue Wege zu finden, um eine Arbeitsweise zu entwickeln, die das Kulturgut indigener Gemeinden anerkennt. Dabei gehe es auch um soziale Verantwortung und den Ruf der beteiligten Modemarken.

Der aktuelle Fall der plagiierten mazatekischen Kleidungsstücke reiht sich in ähnliche Vorfälle ein, die in den letzten Jahren an die Öffentlichkeit gelangt sind. Laut einer Studie der Organisation Impacto haben sich zwischen 2012 und 2019 mindestens 23 nationale und internationale Marken an Entwürfen mexikanischer indigener Gemeinden orientiert, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Bis Juni 2019 wurden 39 registrierte Plagiatsvorwürfe aus den Bundesstaaten Oaxaca, Chiapas und Hidalgo gezählt. Unter den beschuldigten Modefirmen finden sich internationale Großkonzerne wie Dior, Mango und Zara.

Impacto arbeitet seit 2014 mit Organisationen aus dem textilen Kunsthandwerk zusammen. Ihre Arbeit umfasst Aufklärungskampagnen zu Designschutz und Urheberrechten sowie Workshops zu Kalkulationen und Aufwendungen in der Produktion, damit der Wert der selbst produzierten Kleidungsstücke besser eingeschätzt werden kann.

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