Nach Protesten der Belegschaft: Chef von Staatsbetrieb in Venezuela verhaftet

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"Wir Arbeiter:innen von Lácteos los Andes werden nicht zulassen, dass sie unseren Betrieb kaputtmachen"
"Wir Arbeiter:innen von Lácteos los Andes werden nicht zulassen, dass sie unseren Betrieb kaputtmachen"

Caracas. Der Generalstaatsanwalt von Venezuela, Tarek William Saab, hat am Freitag die Verhaftung des Präsidenten von Lácteos Los Andes wegen des Verdachts der Korruption bekannt gegeben.

Oberst Luis Augusto Piligra Jiménez hatte diesen Posten seit August 2019 inne. Zuvor war er Chef von drei anderen bedeutenden Staatsunternehmen gewesen. Bei seinem letzten Job in der Hafenverwaltung (Bolipuertos) gab es laut Medienberichten bereits Korruptionsvorwürfe.

Lácteos Los Andes ist einer der wichtigsten Betriebe im Nahrungsmittelsektor des Landes und versorgt Millionen Venezolaner mit Milchprodukten, Fruchtsäften u.a..

Die Justiz ermittelte nach Hinweisen auf "illegale Bereicherungsaktivitäten" seit zwei Wochen gegen den Oberst. Dabei hat sich laut Saab herausgestellt, dass Pilagra ein "kriminelles Netzwerk" betrieb, an dem seine Familie und Freunde beteiligt waren. Der Beschuldigte habe alle notwendigen Lieferungen für Lácteos bei Firmen von Familienmitgliedern in Auftrag gegeben und dann zu einem überhöhten Preis in Rechnung gestellt. Dem Unternehmen und dem Staat sei damit schwerer Schaden zugefügt worden. Außerdem nutzte er die Anlagen von Lácteos für die Herstellung und Verpackung von Milchpulver der Firma Leche Villa La Estancia, deren Eigentümer er ist. Vermögenswerte in großer Höhe seien beschlagnahmt worden, unter anderem Yachten, Flugzeuge, teure Autos, Wohnungen und Landgüter, sagte Saab.

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Arbeiter von Lácteos hatten seit Jahresbeginn mehrfach den Mangel an Grundstoffen, eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, Unregelmäßigkeiten und einen Stillstand der Produktion angeprangert. Der Leitung und dem Ministerium für Ernährung, dem Lácteos untersteht, werfen sie vor, das Staatsunternehmen zerschlagen und privatisieren zu wollen.

Präsident Nicolás Maduro ersuchte die Generalstaatsanwaltschaft schließlich am 7. Mai um sofortige Ermittlungen gegen die Leitung von Lácteos Los Andes, nachdem die Sprecherin des Produktiven Rates der Lácteos-Arbeiter des Teilstaates Lara, Nerenni Rodriguez, ihm beim Treffen des "Präsidialrates der Arbeiterklasse" öffentlich von den Missständen berichtet hatte.

Lácteos Los Andes, das landesweit mehrere Großanlagen betreibt, wurde im März 2008 vom damaligen Präsidenten Hugo Chávez verstaatlicht und seitdem von wechselnden regierungsnahen Chefs geleitet. Obwohl die Zahl der Arbeitskräfte und die Investitionen massiv erhöht wurden, ist die Produktion nicht kontinuierlich gehalten oder, wie von der Regierung vorgesehen, gesteigert worden.

Immer wieder beklagten die Arbeiter Korruption, mehrmals wurde das Managament ausgewechselt. So entließ Maduro im September 2013 die gesamte Leitung, als die Produktion um 40 Prozent gesunken war und die Arbeiter monatelang gegen die Zustände in dem Unternehmen protestiert hatten. Er setzte den von der Belegschaft gewählten Luis Moreno Sevilla als neuen Chef ein. Dessen Management wurde ebenfalls stark kritisiert, weil das Unternehmen sein Kapital verdoppelte, aber Verluste auswies und zwei Anlagen geschlossen werden mussten. Moreno wurde 2019 von Pilagra abgelöst.

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