Die zapatistische "Reise für das Leben" in Europa hat begonnen

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Escuadron 421 auf der Bühne in Vigo
Escuadron 421 auf der Bühne in Vigo

Vigo, Galizien. Die zapatistische maritime Delegation, das Escuadron 421, ist am Dienstagabend nach mehr als 50 Tagen Seereise am Strand von Carril von Bord gegangen.

Das ist exakt der Ort, wo vor mehr als 500 Jahren die Karavelle La Pinta von Christoph Kolumbus zurückkam, um die "Entdeckung" dessen, was wir heute als amerikanischen Kontinent bezeichnen, zu verkünden.

"Im Namen aller zapatistischen Frauen, Kinder, Männer, älterer Menschen und aller nicht binären Personen erkläre ich dieses Land, dessen Einwohner es Europa nennen, nun Slumilk’ ajxemk’op", das übersetzt aus der Maya-Sprache Tzotzil, das "rebellische und unüberwindbare Land" bedeutet. Dies waren die ersten Worte, die Mary José, nicht binäre Person und Mitglied der maritimen Delegation bei der festlichen Willkommenszeremonie an das Publikum richtete.

Die Zeremonie begann damit, dass das Escuadron 421 von einer galizischen traditionellen Frauenmusikgruppe bei ihrer Ankunft mit dem Motorboot bei dem Leuchtturm am Strand Carril bis zur Tribüne empfangen und begleitet wurde.

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Escuadron 421 in Vigo
Escuadron 421 in Vigo

Das Publikum folgte ihnen bis zum Strand und bis zur Bühne, wo sie gemeinsam die zapatistische Hymne sangen.

Bei ihrer Vorstellung in eigener Muttersprache, Tsetzal, Tozil und Tojolabal, erklärten sich die sieben Mitglieder von Escuadron 421: vier Frauen, zwei Männer und eine nicht binäre Person als "100 Prozent Zapatisten".

Die Delegation ist am 2. Mai von Isla Mujeres, Mexiko, an Bord des Segelschiffes "Die Strahlratte" nach Europa losgefahren. Es ist die erste Etappe der zapatistischen "Reise für das Leben". Es ist geplant, dass weitere zapatistische Delegationen nach Europa kommen, um sich mit Mitgliedern von sozialen und Widerstandsbewegungen in ganz Europa zu treffen, wie Mary José angekündigt hat: "Wir sind hier, um uns über unsere Empörung, unseren Schmerz, unseren Kampf, unseren Widerstand, unsere Selbstorganisation auszutauschen".

Die Besatzung der "Strahlratte" stand auch auf der Bühne. "Wir sind froh, gesund angekommen zu sein. Hier endet eine Reise und beginnt eine neue", sagte Kapitän Ludwig vor dem Publikum.

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Escuadron 421 bei der Willkommenszeremonie inVigo
Escuadron 421 bei der Willkommenszeremonie inVigo

Die mehr als 100 Personen, die sich gestern am Strand versammelt hatten, mussten sich gedulden, da die zapatistische Delegation später als geplant angekommen war. Für die Organisation der Veranstaltung war die galizische Kommission verantwortlich.

Im Vorfeld der Ankunft der Zapatistas sind Aktivist:innen und Sympathisant:innen aus ganz Europa nach Vigo gereist, um bei der Organisation zu helfen. Um die Einwohner von Vigo über die Ankunft zu informieren, organisierten sie tägliche Informationstische, abendliche Paraden mit einer überlebensgroßen Marionette. Sie verkauften T-Shirts und zapatistischen Kaffee, um "die Reise für das Leben" finanziell zu unterstützen.

Die "Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung" (EZLN) hat am 1. Januar 1994 anlässlich des damals in Kraft getretenen Freihandelsabkommens zwischen den USA, Kanada und Mexiko, sowie gegen die neoliberale Politik des damaligen Präsidenten Carlos Salinas de Gortari, zu den Waffen gegriffen. Kurz danach unterzeichneten die Aufständischen und die Regierung ein Friedensabkommen. Seitdem hält sich die EZLN daran und baut in den seit 1994 besetzten Regionen eigene Schulen und Gesundheitsstationen. Die Zapatisten haben mittlerweile Kaffee-, Honig- und Handarbeitskooperativen gegründet, um ihre Existenz zu sichern.

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