Haiti / Kuba / Soziales

Schiff mit über 800 Menschen aus Haiti landet auf Kuba

fluechtlinge-haiti-kuba.jpg

Aus Haiti geflüchtete Menschen sind in Seenot geraten (screenshot)
Aus Haiti geflüchtete Menschen sind in Seenot geraten (screenshot)

Havanna. Ein Schiff mit 842 Migrant:innen aus Haiti ist am vergangenen Mittwoch auf Kuba angelandet. Die 675 Männer, 97 Frauen und 70 Kinder waren auf einem völlig überladenen Holzschiff vermeintlich Richtung USA unterwegs, als sie von schlechtem Wetter auf hoher See überrascht und vom Kapitän verlassen wurden. Die kubanische Küstenwache sichtete das Schiff nach einer viertägigen Irrfahrt vor der Küste der Provinz Villa Clara, nahe dem Ort Caibarién, und brachte die Menschen an Land.

Die Flüchtenden waren offenbar von dem Kapitän des Schiffs betrogen worden. Er hatte den Menschen über 4.000 US-Dollar für die Überfahrt berechnet und ihnen Videos von einem Kreuzfahrtschiff gezeigt, das sie sicher nach Florida bringen würde. Dies berichtete der junge Haitianer Joyce Paul, der sich unter den Flüchtenden befand, gegenüber kubanischen Medien. Es hätten sich chaotische Szenen auf dem Schiff abgespielt, nachdem man die Brücke ohne Steuermann vorfand. Etwa 15 Personen seien panisch ins Meer gesprungen.

Paul erzählte, er selbst sei wie viele andere vor der Gewalt und Armut in seinem Heimatland geflohen. Bewaffnete Banden hätten sein Haus niedergebrannt und zwei seiner Schwestern getötet.

Die Haitianer:innen erhielten vor Ort Nahrungsmittel und medizinische Versorgung und wurden in einer Ferienanlage einquartiert. Wie das Nachrichtenportal Cubadebate berichtete, will die kubanische Regierung mit Haiti Kontakt aufnehmen, um "gemäß den internationalen Migrationsabkommen, die Kuba unterzeichnet hat, eine sichere und freiwillige Rückkehr nach Haiti zu garantieren".

Das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR drückte am Freitag seine Besorgnis über die wachsende Zahl von Haitianer:innen aus, die über das karibische Meer fliehen. Viele von ihnen reisen in überladenen und nicht seetüchtigen Booten. "Zwar gibt es seit langer Zeit in der ganzen karibischen Region Überfahrten von Flüchtlingen und Migrant:innen verschiedener Nationalitäten, aber eine immer größere Zahl kommt aus Haiti", so die Pressemitteilung des UNHCR.

Die Menschen fliehen vor der Instabilität, der sozioökonomischen Unsicherheit und Armut in ihrem Heimatland. "Die Situation in Haiti hat aufgrund der jüngsten Zunahme von Bandengewalt, internen Vertreibungen, Naturkatastrophen und fehlender Beschäftigungsmöglichkeiten zu Wellen von Migrantion und Asylsuche geführt", erklärte UNHCR-Sprecherin Shabia Mantoo. Sie rief die Aufnahmeländer dazu auf, ihren humanitären Verpflichtungen und der Seenotrettung nachzukommen und allen Menschen Zugang zu einem Asylverfahren zu gewährleisten, die dies benötigten. Aus den USA sind zuletzt Tausende Haitianer:innen abgeschoben worden.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr