Panama-Stadt. Am 27. Dezember 2025 hat die Gemeindeverwaltung von Arraiján in der Provinz Panamá Oeste ein Denkmal zum Gedenken an die chinesische Gemeinschaft in Panama abreißen lassen. Das Denkmal befand sich im Aussichtspunkt Mirador de Las Américas nahe dem Zugang zum Panamakanal.
Die Behörden von Arraiján begründeten den Abriss durch schweres Gerät mit der Beendigung einer 20-jährigen Bewilligung zur Nutzung des Geländes und stellten neue Pläne für die Umgestaltung des Parks vor, in denen das Denkmal nicht mehr vorgesehen war. Die Bürgermeisterin Stefany Dayan Peñalba erklärte, das Bauwerk habe "strukturelle Mängel" aufgewiesen und sei ein "Sicherheitsrisiko" gewesen.
Das Vorgehen rief umgehend Kritik seitens der chinesischen Regierung und der chinesischen Gemeinschaft in Panama hervor. In einer Stellungnahme des Außenministeriums in Beijing vom 29. Dezember 2025 äußerte der Sprecher Lin Jian "tiefe Unzufriedenheit" über die Zerstörung des Denkmals und forderte eine umfassende Untersuchung. Er bezeichnete die Maßnahme als "abscheulich" und betonte, das Monument sei ein Symbol für die historischen Beiträge chinesischer Migranten gewesen: "Es war ein Zeugnis für das Opfer Tausender chinesischer Arbeiter, die beim Bau der transisthmischen Eisenbahn und des Panamakanals ihr Leben ließen", so Lin Jian.
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Auch die chinesische Botschaft in Panama verurteilte den Vorfall und erklärte, der Abriss habe "die Gefühle von 300.000 chinesischen und chinesischstämmigen Personen" im Land verletzt. Die Botschafterin Xu Xueyuan erklärte, sie sei unmittelbar zum Ort des Geschehens gereist, habe das Denkmal jedoch bereits vollständig zerstört vorgefunden. Laut der Botschaft seien Bemühungen zur Verlängerung der Bewilligung seit Anfang 2024 unbeantwortet geblieben, obwohl Angebote zur Renovierung und Pflege des Parks gemacht worden seien.
Der Abriss löste auch innerhalb Panamas deutliche Kritik aus. Angehörige der chinesischen Gemeinschaft und zivilgesellschaftliche Akteure äußerten Unverständnis über das Vorgehen. In sozialen Netzwerken wurde der Abriss vielfach als "respektlos" und "beschämend" bezeichnet. Historiker warfen der Gemeindeverwaltung vor, ein kulturelles und symbolisches Erbe mutwillig zerstört zu haben.
Auch Panamas Präsident José Raúl Mulino kritisierte den Abriss als "barbarisch" und "unverzeihlich". Er kündigte an, mit dem Kulturministerium zu prüfen, ob das Denkmal als Teil des nationalen Kulturerbes wiederhergestellt werden könne. Gleichzeitig betonte er, dies entlaste die Bürgermeisterin nicht von ihrer Verantwortung.


