Indigene protestieren in Mexiko vor der deutschen Botschaft gegen Chemiewerk

In Sinaloa entsteht ein Ammoniakwerk. Eigentümer ist das schweizerisch-deutsche Unternehmen Proman. Gegner nicht angehört

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Die Yoreme-Aktivistin Melina Maldonado zusammen mit weiteren Umweltaktivisten vor der deutschen Botschaft in Mexiko
Die Yoreme-Aktivistin Melina Maldonado zusammen mit weiteren Umweltaktivisten vor der deutschen Botschaft in Mexiko

Mexiko-Stadt. Umwelt- und Landrechtsaktivisten haben vor der deutschen Botschaft in Mexiko gegen den Bau einer Ammoniakfabrik demonstriert. Das deutsche Unternehmen Proman mit Hauptsitz in der Schweiz baut das Chemiewerk mit seiner Tochterfirma Gas y Petroquímica de Occidente (GPO) in der Bucht von Ohuira in Topolobampo, mitten auf indigenem Territorium im nördlichen Bundesstaat Sinaloa.

Das Ökologie-Kollektiv "Hier nicht!" (Colectivo ecológico "¡Aquí no!") organisierte den Protest vor der Botschaft am Donnerstagabend, nachdem letzte Woche ein erster von mehreren großen Stahlreaktoren auf den Bauplatz transportiert wurde. Seit vergangenem Wochenende verhindern die indigene Bevölkerung der Yoreme und die Fischer von Topolobampo den Weitertransport dieser Reaktoren mit Blockaden.

Die Bucht von Ohuira ist ein durch die internationale Ramsar-Konvention geschütztes Feuchtgebiet. Diese 1971 im Iran unterzeichnete Konversation regelt global den Schutz von nachhaltigen Feuchtgebieten. 

"Diese Bucht ist unsere Lebensgrundlage, unsere Weltanschauung. Die Küstenlagune schenkt uns ein gutes Leben", betonte Melina Maldonado Sandoval, eine Fischerin der indigenen Yoreme, die sich seit einem Jahrzehnt gegen den Bau des Kraftwerks engagiert. Vor einer vor der Botschaft errichteten Opfergabe fügte sie hinzu: "Es reicht, dass internationale Abkommen missachtet werden und wir indigene Gemeinschaften den Preis für ihre Entwicklung zahlen müssen. Denn meine Yoreme-Kinder sind genauso viel wert wie ihre deutschen Kinder". Maldonado und andere Aktivisten des Kollektivs sind wegen ihres Engagements Drohungen und Aggressionen ausgesetzt. Eine Reaktion der deutschen Vertretung auf den Protest war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.

Auch in mehreren Städten von Sinaloa gab es diese Woche lautstarke Proteste gegen die als gefährlich eingeschätzte petrochemische Industrie. Auf der Demonstration in Mazatlán wies der Biologe Jaime Renán darauf hin, dass die Mobilisierung darauf abziele, die Ablehnung verschiedener Gesellschaftsgruppen gegenüber Projekten sichtbar zu machen, die die ökologische Zukunft der Region gefährden.

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Eine Opfergabe vor der deutschen Botschaft in Mexiko ist Teil des Protests der indigenen Bevölkerung gegen das Chemiewerk
Eine Opfergabe vor der deutschen Botschaft in Mexiko ist Teil des Protests der indigenen Bevölkerung gegen das Chemiewerk

Die staatliche deutsche Kreditbank KfW-IPEX finanziert das petrochemische Werk mit einem Kredit in Höhe von 860 Millionen US-Dollar. Die Aktivisten von Topolobampo und weiterer Dörfer der Bucht reichten gegen diese Finanzierung in Deutschland eine Beschwerde ein (amerika21 berichtete). Dabei trafen sie sich auch mit Vertretern der deutschen Regierung. Momentan ist der deutsche Außenminister Johann Wadephul in Mexiko zu Besuch.

Das mexikanische Umweltministerium veröffentlichte zum Konflikt eine Erklärung, in der es betont, dass mit dem ursprünglich 2014 unter Präsident Enrique Peña Nieto bewilligten Projekt rechtlich alles in Ordnung sei. Das Umweltministerium erwähnte zudem, dass nach einem Urteil des obersten Gerichtshofs im Jahr 2022 eine Befragung der indigenen Bevölkerung durchgeführt wurde.

Die Legitimität dieser Befragung wird jedoch von den Projektgegnern angezweifelt. Die direkt betroffenen Gemeinden stimmten klar gegen das Chemiewerk, doch andere, nicht direkt betroffene Gemeinden stimmten dafür. Von den oppositionellen Gemeinden wird zudem kritisiert, dass die Umweltministerin Alicia Bárcena ihr Versprechen, sich mit ihnen zu treffen, nicht erfüllt habe. Präsidentin Claudia Sheinbaum unterstützt den Bau des Werks, erinnerte jedoch Bárcena kürzlich daran, dass sie sich mit den Oppositionellen treffen müsse.

Der Bau der größten Ammoniakfabrik Lateinamerikas, deren Produktionskapazität auf über 2.000 Tonnen pro Tag geschätzt wird, soll gemäß Angaben des Unternehmens zu über 80 Prozent fertiggestellt sein. Für den Betrieb wird per Fracking gewonnenes Gas aus Texas in Pipelines über mehrere hundert Kilometer bis an die mexikanische Pazifikküste transportiert. Ammoniak ist ein Grundstoff für Kunstdünger, der in der Landwirtschaft verwendet wird. GPO erklärte gegenüber der Lokalpresse mehrmals, dass sie sich an alle Umweltstandards halten würden.