São Paulo/Recife. Seit dem Ende des ersten Wahldurchgangs finden in Brasilien zahlreiche Großdemonstrationen für eine Wiederwahl des amtierenden Präsidenten Luíz Ignacio Lula da Silva statt. Den ersten Wahlgang hatte der ultrarechte Kandidat Flávio Bolsonaros knapp gewonnen, am 25. Oktober kommt es zur Stichwahl zwischen ihm und Lula um das Präsidentenamt. Allein an der Demonstration am vergangenen Sonntag in São Paulo nahmen nach Medienberichten fast eine Million Menschen teil. Gleichzeitig werden Universitäten und Akademiker:innen von Bolsonaro-Anhänger:innen bedroht und attackiert.
Neben den Großdemonstrationen setzen in ganz Brasilien Studierende, aber auch Organisationen wie die Bewegung der Landarbeiter ohne Boden (MST) und die Bewegung der obdachlosen Arbeiter (MTST) mit Zusammenkünften und Flyeraktionen für eine Wiederwahl Lulas ein. Fotos der Menschenmassen – oft ganz in Rot gekleidet – zieren Pressemeldungen und Social Media. Mit den Aktionen möchten die Demonstrant:innen die Bevölkerung überzeugen, im zweiten Wahldurchgang für Lula zu stimmen. Gleichzeitig machen sie auf die aus ihrer Sicht rassistische und frauenfeindliche Politik von Bolsonaro aufmerksam. "Sie sagen immer, dass die Jugend die Zukunft Brasiliens ist, aber wir sind die Gegenwart des Landes. Und wir wollen uns jetzt für den Erhalt unseres Rechts auf staatliche Universitäten, auf qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung, Bildung und eine soziale Politik einsetzen, die das Leben von Menschen verändert", erklärt Hugo Silva, Vorsitzender des staatlichen Verbands von Jurastudent:innen (Fened).
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Jedoch sehen sich die Demonstrant:innen einer Gefahrenlage ausgesetzt. Sie werden immer wieder von Bolsonaro-Anhänger:innen bedroht. Die staatliche Universität Goiás (UFG) erhöhte so beispielsweise die Sicherheitskräfte auf dem Campus, nachdem sie Screenshots von Drohungen gegen Studierende und die Universität erhalten hatte. Noch ist nicht geklärt, von wem die Nachrichten stammen und ob es tatsächlich Pläne zur Umsetzung gibt. Die Universität reagierte trotzdem und kündigte an, einen Kanal zur schnellen und direkten Kommunikation einrichten, für den Fall, dass es zu einer konkreten und direkten Gefahrensituation kommt.
Auch der Abgeordnete Fabrício Rosa, der zu Menschenrechten an der UFG promovierte, bestätigt Drohungen gegen ihn. Eine Recherche des Magazins Brasil de Fato ergab, dass Studierenden unter anderem mit Molotow-Cocktails gedroht wurde. Besonders problematisch ist dies im Hinblick auf die erst kürzlichen Brände an der staatlichen Universität von Pernambuco (UFPE). Innerhalb einer Woche brannten dreimal einzelne Gebäude der Universität, nachdem es zuvor anonyme Drohungen gegeben hatte, die Universität in Brand zu setzen. Der Auslöser des Brandes wird derzeit von der Bundespolizei ermittelt. Zwar wurde niemand bei den Bränden verletzt, der entstandene Sachschaden ist jedoch hoch. Bei dem letzten der drei Brände wurden nicht nur Laboratorien und modernes Forschungsequipment zerstört, sondern auch die unwiederbringlichen Daten von rund 20 Jahren Forschung zu Krebs, Übergewicht, Covid-19, ADHS und Autismus.

