El Salvador: "Unser Park ist eine Art historisches und kulturelles Erbe"

Interview mit Rosa Isabas Galeano und Juan José Hernández Guerra aus Cuisnahuat

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"Die Bevölkerung muss gehört und nicht ignoriert werden – Nein zur Zerstörung unseres Parks“
"Die Bevölkerung muss gehört und nicht ignoriert werden – Nein zur Zerstörung unseres Parks“

Rosa Isabas Galeano wohnt in Cuisnahuat und ist Teil der örtlichen Volksversammlung (Asamblea Popular). Diese wurde 2009 gegründet und repräsentiert derzeit um die 60 Prozent der 32 Gemeinden (Caserillos) des Landkreises (Municipio) Cuisnahuat. Juan José Hernández Guerra lebt ebenfalls in Cuisnahuat und unterstützt die Aktivitäten der Asamblea Popular.

Was ist das Ziel eurer Proteste im Park von Cuisnahuat?

Juan José Hernández Guerra (JJHG): Der Bürgermeister unseres Landkreises, Ernesto Gustavo Sierra, möchte in unserem Park einen Markt errichten. Aber wir wollen den Park schützen. Deshalb fühlen wir uns verantwortlich. Durch unseren Protest sagen wir dem Bürgermeister, dass er gerne seinen Markt bauen kann, jedoch nicht in dem Park.

Warum glaubt ihr, dass der Bürgermeister dieses Projekt ohne Einverständnis der Bevölkerung umsetzen will?

Rosa Isabas Galeano (RIG): Es ist so, dass Cuisnahuat einen Markt benötigt. Jedoch wir sagen seit 2019, dass dieser nicht an dem Ort errichtet werden kann, wo der Park ist. Wir haben drei verschiedene andere Grundstücke vorgeschlagen. Aber er will den Markt im Park errichten. Wir kämpfen dagegen, weil es der einzige Park im Landkreis ist. Er ist eine Art historisches und kulturelles Erbe. Deshalb ist unser Motto #enelparqeno (im Park nicht).

Wie hat der Bürgermeister auf eure Proteste reagiert?

JJHG: Zuerst haben wir ihm Vorschläge gemacht und gesagt, dass er nicht im Park bauen soll. Als wir auf seine Antwort gewartet haben, hat er jedoch die Polizei geschickt und uns gewaltsam räumen lassen. Seitdem werden wir täglich von der Polizei bedrängt. Das finden wir nicht gut, weil wir friedlich protestieren. Wir verursachen keinen Aufruhr oder sonst etwas. Wir sind nur im Park, damit er diesen nicht weiter zerstört.

Es gibt Gerüchte, hinter euren Protesten stünden Parteiinteressen?

JJHG: Hier geht es nicht um das Interesse irgendeiner Partei, sondern darum, dass der Bürgermeister den Park nicht weiter zerstört. Wir sind hier als einfache Bevölkerung mit einem gemeinsamen Zeil vereint. Solche Vorwürfe kommen auf, wenn es keine weiteren Argumente gibt, die gegen uns vorgebracht werden können.

RIG: Diese Vorwürfe gibt es, seit wir angefangen haben, uns als Asamblea Popular zu organisieren. Damals sind wir bei ihm mit 23 Personen aufgetaucht, um 300 Unterschriften gegen den Park zu übergeben. Schon damals fanden wir es nicht gut, dass er für diesen Markt einen Kredit von 1,8 Millionen Dollar aufnehmen wollte. Seitdem beschuldigt er uns, von einer Partei zu sein, was nicht stimmt. Er hat keine Argumente. Denn eigentlich hätte er für dieses Projekt die Bevölkerung in einem offenen "Cabildo"1, wie wir hier sagen, konsultieren müssen. Das hat er nicht gemacht.

Wir haben ihm gesagt, er soll diese Befragung durchführen. Wenn dann die Mehrheit der Bevölkerung dafür wäre, soll er sein Projekt umsetzen und den Kredit aufnehmen. Wenn die Bevölkerung jedoch dagegen stimmt, dann allerdings nicht. Wir haben ihm sogar angeboten, ihm zu helfen, diese Befragung zu organisieren, weil wir ja Kontakt zu den Gemeinden haben. Dennoch wollte er dieses "Cabildo" nicht. Und als er dann begonnen hat die Bäume zu fällen, gab es viele Leute, die nicht einmal wussten, dass der Markt im Park gebaut werden sollte. Deshalb sind wir bis heute hier. Weil wir das Recht haben zu wissen, was der Bürgermeister vorhat.

Habt ihr auch noch an anderen Stellen euren Protest vorgetragen?

JJHG: Zuerst haben wir ein Schreiben beim Umweltministerium eingereicht, damit sie kommen und sehen was das Problem ist, und was die Folgen dieses Projektes wären. Wir haben uns auch an das Ministerium für Kultur gewandt, weil dieser Park für uns ein kulturelles Erbe darstellt. Dann haben wir auch eine Petition am zuständigen Umweltgericht eingereicht. Leider haben diese zunächst nicht reagiert. Aber später haben wir herausgefunden, dass der Bürgermeister seine Genehmigungen für das Projekt durch diverse Falschangaben bekommen hat. Bedauerlicherweise wurden sie damals durch das Umweltministerium nicht überprüft. Mit diesen Argumenten haben wir dann erneut unsere Beschwerde beim Umweltgericht eingereicht. Daneben haben wir auch bei der Umweltkommission des Parlamentes vorgesprochen.

¡Dale, pues!

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Wie lange protestiert ihr jetzt schon hier im Park?

RIG: Wir haben am 28. Juli mit unserem Protest begonnen, seit sie angefangen haben, die Bäume zu fällen. Am 19. August wurden wir dann von der Polizei gewaltsam geräumt. Dann haben sie angefangen den Park zu zerstören. Aber nach acht Tagen ist es uns gelungen, den Park erneut zu besetzen. Seitdem haben wir keine Arbeiter mehr in den Park gelassen.

Gab es seitdem noch weitere Repressionen?

JJHG: Am 10. September kam es zu einem erneuten Angriff der Polizei auf eine Unterstützerin. Jetzt ist die Polizei drei, vier Straßen vom Park entfernt positioniert. Wir denken nicht, dass sie hier sind, damit wir uns sicher fühlen, sondern eher um uns Angst zu machen und den Bürgermeister zu schützen. Vor drei Tagen kam eine Delegation der Polizei, um mit den Leuten der Baufirma zu sprechen. Weil diese auch Spezialeinheiten dabei hatten, dachten wir schon, sie wollten uns wieder räumen. Aber es waren sehr viele Leute im Park und sie haben sich am Ende entschieden, doch wieder zu gehen. Aber wir wissen, dass wir in jedem Moment angegriffen werden können.

Wer hat die Polizei nach Cuisnahuat geschickt?

JJHG: In der Sicherheitskommission des Parlaments ist ein Parteifreund (PCN - Partei der Nationalen Koalition) des Bürgermeisters, wir nehmen an, dass er verantwortlich für die Anwesenheit der Polizei ist.

Wie stehen derzeit die Chancen den Konflikt durch einen Dialog zu lösen?

RIG: Es hat sich eine Kommission gebildet und es gab schon mehrere Versuche mit dem Bürgermeister zu sprechen. Wir wollten nur mit ihm und seinem Rat sprechen, aber er kommt immer mit noch ganz anderen Leuten. Unser Vorschlag bzw. unsere Position ist jedoch unverändert. Die Bevölkerung will keinen Markt im Park und er soll sich dafür eine anderes Grundstück suchen. Wir verstehen nicht, dass er die Grundstücke, die ihm angeboten wurden, nicht gekauft hat, obwohl er durch den Kredit eigentlich das Geld dafür haben müsste.

Aber diesen Vorschlag machen wir ihm schon lange. Und mittlerweile redet der Bürgermeister nicht mehr mit uns. Wir wollten ihm auch einen Brief übergeben, aber auch den hat er nicht angenommen. Das ist unser Problem. Die Leute wollen mit dem Bürgermeister reden, aber er weigert sich.

Wie schafft ihr es euren Protest fortzuführen?

RIG: Glücklicherweise haben wir viel Solidarität im In- und Ausland erfahren. Jede Hilfe ist willkommen. Auch die Spende von nur einer Flasche Wasser hilft, unseren Protest fortzuführen. Es ist nicht leicht in der Hitze der Sonne oder bei Regen und Gewitter hier auszuhalten.

Ich schäme mich nicht dafür Indigena zu sein und für meine Rechte zu kämpfen. Wir kämpfen hier, um unser kulturelles Erbe zu schützen. Ich bin zwar schon älter, aber es geht auch um die Interessen meiner Kinder und Enkel.

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