Indigene blockieren größtes Windkraftprojekt Lateinamerikas

Oaxaca-Stadt, Mexiko. Ein schwelender Konflikt um Windkraftprojekte im südmexikanischen Staat Oaxaca droht weiter zu eskalieren. Seit mehreren Tagen sind die Zugänge zu einer Sandbank vor der Küste blockiert. Hunderte Anwohner verhindern den Baubeginn des größten Windparks Lateinamerikas.

Dem Protest zuvorgegangen waren mehrere Übergriffe auf lokale Aktivisten der Opposition die das ökologische Gleichgewicht und die Existenzgrundlage der Fischerdörfer durch die geplanten 132 Windräder gefährdet sehen. Zudem wurden die indigenen Dörfer der Ikojts und Zapotecas weder über das Projekt der spanischen Firma Mareña Renovables informiert noch wurden sie um ihre Zustimmung gebeten.

Die Zuspitzung im Konflikt um das Projekt "San Dionisio" begann nach dem Besuch von Präsident Felipe Calderón, der am 30. Oktober Protesten zum Trotz drei andere Windparks in der Region einweihte. Tags darauf bezeugte eine Beobachtungsmission der Menschenrechtsorganisationen PBI und Codigo DH, dass die spanischen Unternehmer unter massivem Polizeischutz das Küstengebiet mit Baugerät betraten. Am 1. November schließlich räumten Polizeieinheiten einen Kontrollposten der Windparkgegner im Ort Álvaro Obregón. Am 2. November verhafteten sie willkürlich neun Anwohner, darunter zwei Frauen.

Auf die Frage, warum sie gegen die Großprojekte der Windkraft in Oaxaca seien, antwortete die zapotekische Menschenrechtlerin Bettina Cruz anlässlich des 5. Forums der Zivilgesellschaft EU-Mexiko in Brüssel: "Wir sehen diese Projekte als eine neo-koloniale Invasion, denn die europäischen Unternehmen kommen hierher, als ob dies ein leeres Territorium sei. Aber hier leben viele indigene Völker und wir sind die Besitzer dieses Territoriums, das von der Fischerei und der Landwirtschaft lebt."

Auf dem Forum kritisierten die 26 mexikanischen Organisationen, darunter zahlreiche Gewerkschaften, die "gravierenden Auswirkungen" auf die Gemeinden durch den Freihandelsvertrag EU-Mexiko und die damit verbundenen Investitionen. Sie forderten die EU auf, das Vorgehen europäischer Konzerne stärker zu beobachten.

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