Baustart für Ethanol-Pipeline in Brasilien

Megaleitung soll Treibstoff für 420 Millionen Pkw-Tankfüllungen jährlich befördern. Agrartreibstoffe sorgen weiter für Kritik

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Arbeiter schneidet mit Machete Zuckerrohr
Schneiden von Zuckerrohr: Diese Industrie sorgt auch in Brasilien für Konflikte - und soll zugleich Motor für eine neue Wirtschaftsbranche werden

Brasilia. In Anwesenheit des scheidenden Präsidenten Luiz Inácio "Lula" da Silva wurde am Dienstag in Brasilien der erste Spatenstich für eine gigantische Pipeline gelegt, die mittelfristig die größte Ethanol produzierende Region Brasiliens, die Bundesstaaten Matto Grosso und Goiás im zentralen Mittelwesten des Landes, mit den Ballungszentren São Paulo und Rio de Janeiro verbinden soll. Das umgerechnet 2,4 Milliarden Euro teure Bauvorhaben soll bei Fertigstellung 21 Millionen Kubikmeter Ethanol pro Jahr über rund 1000 Kilometer transportieren. Das nun begonnene Teilstück zwischen Ribeirão Preto und Paulínia mit 202 Kilometern Länge soll Mitte 2012 fertig sein.

Brasilianisches Zuckerrohr gilt auf den Weltmärkten als wirtschaftlich konkurrenzfähiger als entsprechende Produkte aus anderen Staaten. Allerdings führen die brasilianischen Zuckerrohrfirmen seit Jahren unter anderem eine Negativliste zu Sklavenarbeit an, die von der Nichtregierungsorganisation Repórter Brasil in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation und dem Institut Ethos herausgegeben wird.

Hingegen sprach der Vorsitzende des brasilianischen Erdölkonzerns Petrobras, José Sérgio Gabrielli, von einem "historischen Moment". Das von Petrobras und dem japanischen Unternehmen Mitsui in Zusammenarbeit mit mehreren brasilianischen Konzernen durchgeführte Projekt wird laut Informationen der Tageszeitung Estado de São Paulo "größtenteils durch BNDES" finanziert, der bundeseigenen Bank für wirtschaftliche und soziale Entwicklung Brasiliens.

Der weiter geplante Ausbau der Ethanolpipeline bis an die Hafendocks von São Sebastião im Bundesstaat São Paulo und Ilha d'Água im Bundesstaat Rio de Janeiro zielt auf den Export des Ethanols ab. Dabei geht es um die Märkte der Konsumentenstaaten Japan, USA und nach Europa. Dort bestehen gesetzliche Verpflichtungen zur Beimischung von Agrartreibstoffen.

Nach Zahlen des brasilianischen Außenhandelssekretariats Secex gingen im Jahre 2008 knapp 30 Prozent der Ethanol-Exporte Brasiliens in die EU. 2008 entsprach dies 1,4 Milliarden Litern. Nun plant Brasilien 21 Milliarden Liter Ethanol pro Jahr alleine durch die neue Pipeline zu befördern. Dies entspricht umgerechnet 420 Millionen Tankfüllungen durchschnittlicher Pkws.

Seit gut zwei Jahren wird in Brasiliens Ethanolindustrie eine Vielzahl von Logistikprojekten für den Agrartreibstoff geplant und diskutiert. Dabei geht es vor allem um die technische Umsetzung des Transports aus den zentral gelegenen Produktionsregionen an die Küste. Ethanolpipelines galten lange als technisch schwer umsetzbar, da Ethanol mit Wasser reagiert, so dass Kondensbildung in der Pipeline strikt ausgeschlossen werden muss.

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