Atomkraft: Lateinamerika will Ausstieg

Angesichts der drohenden Nuklearkatastrophe in Japan bekräftigen Kernkraftgegner in Mexiko, Brasilien und Argentinien ihre Kritik

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AKW Atucha in Argentinien
AKW-Komplex Atucha in Argentinien

Brasilia/Mexiko-Stadt/Argentinien. Die Debatte um Atomkraft hat in vollem Maße Lateinamerika erreicht. Bereits am Montag forderte der Präsident des brasilianischen Senats und ehemalige Staatspräsident José Sarney ein Innehalten in der Atompolitik. Am gestrigen Mittwoch stimmte das Abgeordnetenhaus für eine öffentliche Anhörung über die Nutzung von Kernenergie. "Der Unfall von Fukushima lässt Zweifel an der Sicherheit der Kraftwerke aufkommen und provoziert eine Debatte über die Notwendigkeit, diese Art von Energie zu nutzen", sagte der Abgeordnete Ricardo Tripoli der oppositionellen sozialdemokratischen PSBD. Jorge Viana, Senator der regierenden Arbeiterpartei (PT) forderte im Senat ebenfalls eine Untersuchung der Reaktorsicherheit.

Zusätzlich zu den zwei bestehenden Nuklearkraftwerken plant die brasilianische Regierung den Bau vier weiterer Reaktoren bis zum Jahr 2030. Der Energieminister, Edison Lobão, versicherte am Dienstag, dass die Atompolitik angesichts der Ereignisse in Japan keine Veränderungen erfahren werde.

In Mexiko waren es vor allem Nichtregierungsorganisationen, die ein Umdenken in der Energiepolitik einforderten. Allen voran Greenpeace: "Die Regierung versucht die unabänderlichen Risiken dieser Energieoption kleinzureden", heißt es in einer Pressemitteilung. Mexiko verfüge über ausreichendes Energiepotenzial, um auch ohne Atomkraft die Versorgung sicher zu stellen. Dennoch plane die Regierung in den nächsten 17 Jahren den Bau von bis zu zehn neuen Reaktoren. Dies werde mit einer massiven Pro-Atomkraft-Kampagne seitens des Energieministeriums vorbereitet.

Aus diesem Ministerium hieß es nun erneut, dass es sich beim Doppelkraftwerk Laguna Verde um eines der sichersten seiner Art handle. Außenministerin Patricia Espinoza leugnete indes Pläne für den Bau weiterer Reaktoren. Man wolle künftig auf sauberen Strom aus erneuerbaren Energieträgern setzen, sagte sie am Dienstag am Rande eines Besuches in Brüssel. Kernenergie deckt zur Zeit vier Prozent des mexikanischen Energiebedarfs.

Atucha II heißt das dritte, noch in Konstruktion befindliche Kraftwerk in Argentinien, welches im September ans Netz gehen soll. Eine vierte Anlage befindet sich in Planung. Während Regierungsvertreter die Sicherheit der argentinischen Reaktoren hervorhoben, verwiesen Umweltaktivisten auf die Gefahren. In beiden Anlagen sei es schon zu Zwischenfällen gekommen, die auch zu größeren Unfällen hätten führen können, mahnte Juna Carlos Villalonga gegenüber der Tagszeitung La Nación. Zudem verwies er darauf, dass die Pläne zu Atucha II noch aus Zeiten der Militärjunta stammen.

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