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Debatte über Kubas Perspektiven

Konferenz in New York behandelt die wirtschaftspolitischen Neuerungen in Havanna und die Entwicklung auf und nach dem Parteitag der PCC

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Podium auf der Kuba-Konferenz in New York
Podium auf der vergangenen Kuba-Konferenz in New York.

New York/Havanna. Die aktuellen Entwicklungen in Kuba erhalten kurz vor dem sechsten Parteitag der regierenden Kommunistischen Partei nicht nur in den Medien höhere Aufmerksamkeit, sondern auch in der Wissenschaft. So veranstaltete das Bildner Center for Western Hemisphere Studies der City University New York in der vergangenen Woche eine dreitägige internationale Konferenz zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Inselstaates.

Unter den Gästen fanden sich Expertinnen und Experten wie der Harvard-Professor Jorge Domínguez, Robert Pastor, Archibald Ritter, Janet Habel, Miguel Barnet sowie kubanische Forscher der Universität Havanna und des Wirtschaftszentrums CEEC.

Im Zentrum der über 50 Workshops standen zweifelsohne ökonomische Themen. In einigen der Workshops hierzu waren sogar Experten der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds vertreten, um Einschätzungen zur wirtschaftlichen Entwicklung Kubas zu geben. Sie wiesen unter anderem auf statistische und Vergleichsprobleme hin, weil die kubanische Regierung seit kurzem das Bruttoinlandsprodukt anders kalkuliert als bisher üblich. Auch wurde darauf hingewiesen, dass die Kalkulation der informellen Ökonomie, die realistische Umrechnung der Devisenwährung "konvertibler Peso" und des kubanischen Peso sowie die Einschätzung der Produktivität unsicher seien.

Die wichtigen Sektoren Landwirtschaft, Tourismus, Informations- und Kommunikationstechnologien wurden besonders erörtert. In den Diskussionen wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass das bisher vorgesehene Steuersystem kaum Anreize zum privaten unternehmerischen Engagement und zur Einstellung von Beschäftigten bietet.

In einem Workshop über Nichtregierungsorganisationen aus den USA wurde die Vielfalt der Unterstützung für Kuba deutlich, zugleich aber auch die Zweischneidigkeit. Im Publikum machte ein Aktivist der regierungsfeindlichen Gruppe "Freunde kubanischer Bibliotheken" Propaganda für seine Gruppierung. An anderer Stelle beschrieb eine junge Referentin die Aktivitäten des Regimegegners Oswaldo Paya. Der kubanische Ethnologe Maguel Barnet konterte mit harscher Kritik.

Bemerkenswert war stellenweise, dass selbst hochrangige westliche Wissenschaftler völlig in ihrem kulturellen Horizont gefangen sind. Sie nutzen ihr westliches Bewertungsraster für Kuba und schaffen es nicht, die kubanische Gesellschaft zu verstehen. Deutlich wurde das unter anderem in der Debatte über die angekündigten Entlassungen von Beschäftigten. Kaum Beachtung fand der Umstand, dass die sozialistische Führung Kubas auf eine gesteuerte und sozialverträgliche Umsetzungen Wert legt – ein erheblicher Unterschied zur neoliberalen Arbeitsmarktpolitik

Ein Höhepunkt der Konferenz war dennoch der Auftritt des ehemaligen US-Sicherheitsberaters Robert Pastor, der vom Kuba-Besuch des Ex-Präsidenten James Carter berichtete. Demnach kann mit keiner Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und Kuba gerechnet werden. Gleichwohl forderte Carter die unverzügliche Freilassung der Cuban Five aus US-Gefängnissen. Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton werde er über seine Einschätzungen aus Kuba berichten, so Pastor.

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