Paramilitärs in Honduras morden weiter

Konflikt in Bajo Aguán beschäftigt Interamerikanische Menschenrechtskommission. Neue Mutmaßungen über die Beteiligung von Kolumbianern

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Honduranisches Militär in der Region Bajo Aguán
Honduranisches Militär in der Region Bajo Aguán

Bajo Aguán, Honduras. In der Krisenregion Bajo Aguán im Norden von Honduras gehen die Menschenrechtsverletzungen durch staatliche und private Sicherheitskräfte ungehindert weiter.

Eine Woche nach einem Treffen zwischen verschiedenen Organisationen und der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) aufgrund der katastrophalen Lage in der Region wurde vergangene Woche der 50-jährige Kleinbauer Catalino López getötet und zwei weitere Personen verletzt.

Der Mord ereignete sich in der Ansiedlung El Despertar als mehrere Bauern mit ihrem Lastwagen von Arbeiten auf dem Friedhof zurückkehrten, den sie für die Feierlichkeiten zu Allerseelen am darauf folgenden Tag vorbereitet hatten. Laut Zeugenaussagen stoppten private Sicherheitskräfte des Großgrundbesitzers René Morales den Lastwagen und eröffneten ohne Vorwarnung das Feuer auf die Insassen. Weiter berichten Zeugen, dass sich die privaten Sicherheitskräfte nach dem Mord auf das Grundstück von René Morales zurückzogen. Polizei- und Militäreinheiten, welche kurze Zeit nach dem Ereignis auf dem Grundstück eintrafen, nahmen jedoch keinen der Täter fest.

Kleinbauern und Menschenrechtsorganisationen machen die privaten Sicherheitskräfte der Großgrundbesitzer neben den in der Region stationierten Militär- und Polizeieinheiten für eine Vielzahl von Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Bereits am 13. September 2009 berichtete die kolumbianische Tageszeitung El Tiempo, dass honduranische Agrarunternehmer für den Schutz ihrer Grundstücke ehemalige kolumbianische Paramilitärs anwerben. Dies bestätigten regionale Kleinbauern, die von der Anwesenheit von Ausländern mit kolumbianischem Akzent in den Reihen der privaten Sicherheitskräfte berichten.

Aufgrund eines seit Februar 2010 bestehenden Abkommens zwischen Honduras und Kolumbien im Kampf gegen den Drogenhandel und kürzlich veröffentlichter Dokumente der kolumbianischen Zeitschrift Semana besteht außerdem die Vermutung, ein Agent des kolumbianische Geheimdienst DAS würde Sicherheitskräfte in Honduras ausbilden. Vor wenigen Tagen erst gab der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos die geplante Auflösung dieses Geheimdienstes bekannt. Als Gründe gelten unter anderem die Verflechtungen des DAS mit paramilitärischen Gruppen.

Miguel Facussé, einer der einflussreichsten Agrarunternehmer in Honduras, wurde zudem erst kürzlich mit dem Drogenhandel in Verbindung gebracht. Laut Dokumenten, die das Enthüllungsportal Wikileaks veröffentlichte, wurden wahrscheinlich mehrere Drogentransporte über die Grundstücke des Großgrundbesitzers abgewickelt, der ebenfalls eine 200 Mann starke Privatarmee unterhält. Facussé wird unter anderem durch Vertreter der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung beraten und deren ehemaliger Generalvertreter in Honduras, Christian Lüth, pflegte nach eigener Aussage ein gutes Verhältnis zu dem Großgrundbesitzer.

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