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28.08.2007 Venezuela

USA besorgt um Venezuelas Nachbarn

Region solle vor neuen venezolanischen Waffen auf der Hut sein. Chávez kündigt unterdessen weitere Anschaffungen an.

Die Nachbarn Venezuelas sollten bereit sein, auf eine potenzielle bewaffnete Bedrohung durch Venezuela zu reagieren. Hugo Chávez könnte seine Waffen mehr zur Bedrohung seiner Nachbarn als für die eigene Verteidigung nutzen, so ein Mitarbeiter des Pentagon meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Die US-Regierung sei besorgt, da der vehemente Bush-Kritiker Chávez russische Flugzeuge und Hubschrauber angeschafft hatte, außerdem Tausende Kalaschnikov-Maschinengewehre inklusive Herstellungs-Fabrik. Damit sollten die Bestände der Armee modernisiert werden, so die venezolanische Regierung. Der Kauf der russischen Kampfjets war beispielsweise nötig geworden, nachdem die USA aufgrund ihres Rüstungsembargos gegen Venezuela die Lieferung von notwendigen Ersatzteilen für die venezolanischen F-16-Kampfjets einstellte und damit bilaterale Verträge einseitig außer Kraft setzte.

Die US-Regierung kritisiert die Waffenkäufe heftig und sieht auch ein großes Risiko, dass Teile des ersetzten Waffenarsenals in die Hände der linken Guerillas im Nachbarland Kolumbien fallen könnten. Beschwichtigungsversuche der venezolanischen Regierung stoßen in Washington auf taube Ohren. Die Vereinigten Staaten wollen augenscheinlich einen Keil zwischen die Nachbarländer treiben und haben dabei besonders Kolumbien im Blick, dessen rechte Regierung von Präsident Uribe trotz der starken ideologischen Differenzen gute Kontakte nach Venezuela unterhält.

Laut Washingtoner Schätzungen würden die Neuanschaffungen nicht dem realen Bedarf des Landes entsprechen. Schaut man andererseits auf die größtenteils veraltete Ausrüstung der Armee, die seit langem nicht modernisiert wurde, so kommen an diesen Schätzungen große Zweifel auf. Außerdem ist Venezuelas Verteidigungshaushalt im Vergleich mit anderen lateinamerikanischen Ländern eher gering.

Weitere Einkäufe in Russland

Der Chef des russischen Waffenexporteurs Rosoboronexport, Sergej Schemesow, habe einen Vertrag über Dutzende Flugzeuge vom Typ Iljuschin-114 unterzeichnet, berichtete die russische Zeitung Wremja Nowosti am Freitag. Die Flugzeuge könnten als Passagier- und Frachtmaschinen benutzt werden, auch für militärische Zwecke. Außerdem sollen auch 5000 Dragunow-Scharfschützengewehre in Russland gekauft werden, kündigte Präsident Chávez an. Diese Waffen sind nach seinen Worten für die Verteidigung gegen einen möglichen Angriff der USA notwendig. Wie russische Zeitungen schreiben, könnte Chávez mit solchen Äußerungen eine neue Kritikwelle Washingtons an Russland provozieren.

Die USA haben bereits mehrmals gegenüber Moskau ihre Unzufriedenheit über die Waffenlieferungen an Venezuela geäußert. Das russische Außenamt antwortet darauf wie üblich: die militärtechnische Zusammenarbeit stehe "in strikter Übereinstimmung mit den internationalen Verpflichtungen der Seiten und erfolgt nach Völkerrechtsnormen". In privaten Gesprächen verweisen die Diplomaten darauf, dass die Waffenlieferungen der USA an deren Verbündete in Lateinamerika weit über jeden Bedarf hinausgehen, wie die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtet.

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