International

Waffen aus Russland

Reaktion auf US-Rüstungsembargo: Caracas baut Zusammenarbeit mit Moskau aus

Bis zum Jahr 2010 werden in Venezuela zwei Rüstungsbetriebe für den Bau von Kalaschnikow-Maschinenpistolen und der dazu gehörenden Munition gebaut. Das berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA-Nowosti in dieser Woche unter Berufung auf den Generaldirektor der Ischewsker Maschinenbauwerke, Wladimir Gorodezki. Ende des Jahres soll mit dem Bau der beiden Fabriken begonnen werden, deren Standort bislang offenbar noch nicht feststehen. Sein Unternehmen habe in diesem Jahr "einen Vertrag über die Lieferung der Maschinenpistolen AK-103/2 nach Venezuela" erfüllt, so Gorodezki weiter. Der Bau der Fabriken in den kommenden drei Jahren sei durch eine "legale Lizenz der Schützenwaffen" gedeckt. Der Vertrag beinhalte zudem die Schulung von Fachleuten, Wartungsservices und Abkommen zum Technologietransfer.

Venezuela hat in Russland bereits Waffen im Wert von rund 785 Millionen Euro gekauft. Die entsprechenden Abkommen hatte Präsident Hugo Chávez im vergangenen Jahr in Moskau unterzeichnet. Für Aufsehen sorgte damals vor allem der Kauf von 100.000 Ak-47-Sturmgewehren. Entgegen landläufiger Darstellungen waren diese Waffen aber nicht zur Aufrüstung vorgesehen, sondern zur Modernisierung der größtenteils veralterten Waffenbestände der venezolanischen Armee. Jedoch wurde mit Russland damals auch die Lieferung von Kampfflugzeugen und -hubschraubern vereinbart.

Venezuelas Regierung reagiert mit diesen Millionengeschäften nach eigenen Angaben auf eine wachsende Bedrohung aus den USA. Washington hingegen beschuldigt Caracas, mit der Auf- und Umrüstung die Region zu destabilisieren. Im Mai vergangenen Jahres verhängte die US-Regierung daher ein Waffenembargo gegen das südamerikanische Land, das zum 1. Oktober 2006 noch einmal verschärft wurde. Nach Angaben der Fachzeitschrift "Janes's World Defence Industry Reporter" wurden aufgrund dieser Embargobestimmungen auch bestehende Lieferverträge mit US-Unternehmen annulliert. Die Zuwendung Venezuelas zu Russland auf dem Rüstungsmarkt entbehrt daher nicht einer gewissen Logik, denn der Großteil der bestehenden Waffensysteme stammt aus den USA. Mit dem Embargo Washingtons, das mit der "mangelnden Kooperation" Venezuelas im "Kampf gegen den Terrorismus" begründet wurde, wäre die Armee mittelfristig aktionsunfähig gewesen, weil die Wartung des Geräts nicht mehr möglich gewesen wäre.

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Siehe auch:

Chávez auf Einkaufstour (Tageszeitung junge Welt, 07.06.2006)

Chávez nach Osten (Tageszeitung junge Welt, 26.06.2006)

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