DruckversionEinem Freund senden
27.03.2008 Amerikas

Vorstoß für Latino-NATO

Venezuela und Brasilien wollen südamerikanisches Militärbündnis ins Leben rufen. Zusammenarbeit beider Staaten wird ausgeweitet
Einer für alle, alle für einen

Gemeinsam auf Sendung: Ortega zu Gast bei Chávez

Recife. Venezuelas Präsident Hugo Chávez und sein brasilianischer Amtskollege Inacio "Lula" da Silva wollen einen "süd­amerikanischen Verteidigungsrat" nach dem Vorbild der NATO gründen. "Diese Organisation wird es uns erlauben, die Region vor Imperialismus, Neoimperialismus und Präventivkriegen zu schützen", sagte Chávez am Mittwoch während eines Brasilien-Besuches in Recife, der Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco. Ein ähnlicher Plan sei bereits vom süd­amerikanischen Nationalhelden Simon Bolívar im 19. Jahrhundert entworfen worden. Der antikoloniale Befreiungskämpfer habe mit einem südamerikanischen Bündnis nicht nur wirtschaftliche und politische Ziele durchsetzen, sondern auch "imperialistische Aggressionen abwehren" wollen, so Chávez weiter.

Die Idee eines regionalen Militärbündnisses in Südamerika wird seit Jahren diskutiert. Brasiliens Verteidigungsminister Nelson Jobim hatte den Vorstoß erst Ende Februar dieses Jahres befürwortet. "Das erste Land, mit dem wir darüber sprechen, wird Venezuela sein", sagte der Politiker um zugleich darauf hinzuweisen, dass ein militärpolitisches Bündnis auch die Verteidigung industrieller Anlagen zur Aufgabe hätte. Jobim zufolge dürften die ersten Konsultationen im Juni abgeschlossen sein.

Kurz nach seinem Verteidigungsminister hatte sich Brasiliens Präsident da Silva Anfang März ebenfalls für die Idee eines südamerikanischen Verteidigungsbündnisses stark gemacht. Da Silva meldete sich zu Wort, kurz nachdem die kolumbianische Armee ein Lager der Guerilla-Organisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens auf dem Territorium Ecuadors angegriffen hatte. Der folgende Konflikt zwischen Kolumbien auf der einen Seite sowie Ecuador und Venezuela auf der anderen Seite drohte damals, in einen bewaffneten Konflikt auszuarten. Vor wenigen Tagen hatte eine Untersuchung der ecuadorianischen Regierung zudem eine Verstrickung der US-Streitkräfte in den völkerrechtswidrigen Angriff offenbart.

Bei ihrem Treffen in Recife vereinbarten da Silva und Chávez auch eine engere Zusammenarbeit im Energiesektor. In einem ersten Schritt sollten Erdölraffinerien in Brasilien eingerichtet werden. Ein Gemeinschaftsprojekt der staatlichen Ölkonzerne, PdVSA (Venezuela) und Petrobras (Brasilien), befindet sich bereits in Aufbau. Die Kooperation hatten Caracas und Brasilia bereits im vergangenen September in die Wege geleitet. Später soll die gemeinsame Förderung von Erdöl im venezolanischen Orinoco-Becken in Angriff genommen werden.


Den Originaltext der Tageszeitung junge Welt finden Sie hier.

Quelle aus Lateinamerika: El Universal (Mexiko)

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

23.06.2007 Hintergrund & Analyse von Harald Neuber
22.11.2007 Nachricht von Maxim Graubner
27.03.2008 Nachricht von Maxim Graubner