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Tote und Verletzte in Kolumbien

Polizei erschießt mindestens drei indigene Demonstranten. Protest gegen illegale Landnahme und Freihandel

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Tote und Verletzte in Kolumbien
Tödliche Staatsmacht - Szene am Rande der Proteste

Bogotá. Im Südwesten Kolumbiens sind staatliche Kräfte gewaltsam gegen protestierende Ureinwohner vorgegangen und haben dabei mindestens drei Demonstranten getötet. Das erklärten Vertreter der Nationalen Indigenenvereinigung (ONIC) am Donnerstag. Bis zu 90 Menschen wurden verletzt, als die Polizei gegen die Demonstranten vorging, die eine Straße zwischen den Provinzhauptstädten Popayan und Cali blockiert hatten. An den Protesten nahmen über zehntausend Menschen teil. Der Präsident der ONIC, Luis Evelio Andrade, warf den staatlichen Kräften vor, "wahllos das Feuer" auf die Menschen eröffnet zu haben.

Der Widerstand der Indigenen richtet sich gegen die Regierung von Präsident Alvaro Uribe. Nach ihrer Meinung missachtet die Staatsführung systematisch die Landrechte der Ureinwohner. Ziel ist es, Verhandlungen mit der Uribe-Führung zu erzwingen. Regierungs- und Polizeivertreter werfen den Demonstranten aber vor, mit der linksgerichteten Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) gemeinsame Sache zu machen. Beweise dafür gab es nicht. In Kolumbien werden soziale Proteste von staatlicher Seite immer wieder mit Verweis auf angebliche Verbindung zu den Rebellen kriminalisiert.

Die Proteste richteten sich auch gegen ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen dem südamerikanischen Land und den USA. Die Ureinwohner befürchten unter anderem, dass in diesem Fall die industrielle Landwirtschaft forciert und die Vertreibungen der Landbewohner verstärkt wird. Auch wandten sie sich gegen die Militarisierung Kolumbiens durch die Uribe-Regierung und die USA.

Der Konflikt um Freihandelsabkommen betrifft auch Deutschland. Die Bundesregierung setzt sich innerhalb der EU für eine solche Vereinbarung auch mit der EU ein. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor wenigen Wochen in Bogotá zu Gast war, bot ihr Amtskollege Uribe sein Land für den großflächigen Anbau von Pflanzen zur Gewinnung von Agrotreibstoffen an. Nach Meinung von Menschenrechtsgruppen würde ein Ausbau weitere Vertreibungen von Landbewohnern nach sich ziehen und die ungerechte Verteilung von Boden weiter verschärfen. Schon jetzt sind in Kolumbien rund viel Millionen Menschen gewaltsam vertrieben worden - mehr Binnenflüchtlinge gibt es nur im Sudan.


Quelle: Nachrichtenagenturen

Bild: Indymedia Colombia

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