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10.09.2008 Amerikas

Bolivien: Opposition eskaliert Konflikt mit Regierung Morales

Überfälle paramilitärischer Gruppen. Präsident Evo Morales erklärt den amerikanischen Botschafter zur unerwünschten Person

La Paz. Wenige Wochen, nachdem Evo Morales mit mehr als 67 Prozent als bolivianischer Präsident bestätigt wurde, blockieren Milizen der bürgerlichen Opposition das gesellschaftliche Leben im Bundesstaat Santa Cruz. Auch in den anderen nach Autonomie strebenden Bundesstaaten Tarija, Beni und Pando kam es zu Gewaltaktionen.

Die bürgerkriegsähnlichen Zustände begannen, als Anhänger der Autonomie-Bewegung am Dienstag in Santa Cruz ein Büro der Steuerbehörde (SIN) überfielen und plünderten. Polizeibeamte, die das Gebäude schützen sollten, flohen oder wurden von Angreifern verprügelt. In den folgenden Stunden wurden auch in den anderen von der Opposition regierten Bundesstaaten Büros der Steuerbehörde überfallen.

In Santa Cruz errichteten Oppositionsanhänger Barrikaden, plünderten Märkte. Gegen 20:30 (Ortszeit) griffen etwa 160 bewaffnete das Gebäude des staatlichen Fernsehsenders Televisión Boliviana an. Im Gebäude des Senders wurden technische Einrichtungen zerstört und das Haus danach in Brand gesetzt. Der Kameramann Mario Mamani berichtete, dass etwa 20 Polizeibeamte in der Nähe standen, aber nicht eingriffen. Bereits in der vergangenen Woche waren in Santa Cruz Radiosender und Journalisten vom oppositionellen Comité Cívico pro Santa Cruz angegriffen worden.

Am Mittwoch griffen im Bundesstaat Tarija bewaffnete Anhänger der Autonomie-Bewegung die Gas-Leitung nach Brasilien an. Der Gas-Export musste reduziert werden. Nach Angaben der Betreibergesellschaft wird die Reparatur mehrere Tage dauern. Der finanzielle Verlust kann bis 100 Millionen US Dollar betragen.

Inzwischen erklärte Präsident Evo Morales den Botschafter der USA, Philip Goldberg, zur unerwünschten Person und forderte ihn auf, das Land zu verlassen. Goldberg war in der Vergangenheit immer wieder mit Vertretern der Autonomie-Bewegung aufgetreten. Einer ihrer Führer, Branco Marinkovic, kam erst am vergangenen Dienstag von einem Aufenthalt in den USA zurück. Unmittelbar nach seiner Rückkehr führte Marinkovic die gewalttätigen Straßenproteste in Santa Cruz an. Politiker der Regierungspartei MAS werfen Goldberg vor, er unterstütze die Autnonomie-Bewegung mit Geld und Beratern.

Als Antwort auf die Aktionen der rechtsradikalen Opposition begannen verschiedene soziale Bewegungen Bolivien am Mittwoch nach Santa Cruz zu mobilisieren, um die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates zu blockieren. Gewerkschaften und Bauernbewegungen stellten Busse und Autos zur Verfügung. Ihr Ziel ist es die Opposition von der Lebensmittelversorgung abzuschneiden.


Quelle: Agencia Boliviana de Información

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02.09.2008 Nachricht von Maxim Graubner