Venezuela

Vorbereitung auf Verteidigung

Armee von Venezuela wird weiter umgebaut. Präsident Chávez alarmiert: Kolumbien konstruiert Vorwand für Angriff

Caracas. Im Rahmen von Umstrukturierungen der venezolanischen Armee verstärkt Venezuela seine militärische Präsenz in der Grenzregion zu Kolumbien. Präsident Hugo Chávez begrüßte bei einer Jahresabschlussfeier des Militärs im nordwestlichen Bundesstaat Zulia am Montag zwei neue Einheiten. Er betonte zudem, die im nächsten Jahr verfügbaren russischen Panzer vom Typ T-72 würden ebenfalls in südwestlichen Grenzregionen stationiert.

Entgegen irreführender Berichte in deutschen Medien handelt es sich bei den Verteidigungsmaßnahmen um lange geplante Truppenaufstockungen und keine Reaktion auf Zwischenfälle zwischen den zerstrittenen Nachbarstaaten oder gar ein "Säbelrasseln", wie die Tageszeitung junge Welt in ihrer heutigen Ausgabe titelt. "Wir befinden uns mitten in einer grundsätzlichen Restrukturierung der früher vernachlässigten Armee, dazu gehört auch eine neue Verteilung und Aufstellung der Streitkräfte in Theorie und Praxis", sagte Oberbefehlshaber Chávez.

Der venezolanische Staatschef warnte am Montag zudem seine Militärs: "seid wachsam und vorbereitet". Kolumbien plane mit US-Unterstützung einen Angriff auf venezolanisches Territorium. Dafür lägen der Regierung Beweise vor. "Sie wollen ein Guerilla-Camp hinter der Grenze inszenieren um dann einen Angriff zu rechtfertigen", so Chávez. Am 1. März 2008 hatte die Regierung in Bogotá ein Guerilla-Lager in Ecuador bombardiert. Eine ähnliche Aktion befürchtet auch Caracas und hat mit harten Konsequenzen für einen entsprechenden Überfall gedroht.

Vergangene Woche war laut venezolanischen Armeeangaben eine Aufklärungsdrohne von Kolumbien aus in den venezolanischen Luftraum eingedrungen. Präsident Chávez drohte daraufhin, in Zukunft werde man solche Provokationen mit einem Abschuss entsprechender unbemannter Flugzeuge beantworten. Außerdem kündigte Kolumbien den Aufbau einer neuen Militärbasis an der Grenze zu Venezuela an. Dort sollen dutzende Blackhawk Hubschrauber stationiert werden, die Kolumbien von den USA erworben hat.

Die Beziehungen zwischen den Nachbarländern sind seit langem Aufgrund der aggressiven Haltung Bogotás eingetrübt. Im Sommer brach Venezuela die Beziehungen zu Kolumbien ab, nachdem die Uribe-Administration ankündigte, den USA die Nutzung von diversen Militär- und Luftfahrteinrichtungen zu gestatten. Dies hatte in ganz Lateinamerika große Besorgnis ausgelöst.

Zwischen Kolumbien und Ecuador herrscht seit dem Überfall Anfang 2008 Funkstille. Eine Annäherung in den letzten Wochen hat bisher noch nicht zur Neubesetzung der Botschafterposten beider Länder geführt.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr