Lula will zwischen Chávez und Uribe vermitteln

Nach Zunahme der Spannungen zwischen Kolumbien und Venezuela: Präsidenten sollen in Brasilien zusammenkommen

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Lula will zwischen Chávez und Uribe vermitteln
Venezolanische Beamte sichern eine Grenzbrücke zu Kolumbien

London, Caracas. Der brasilianische Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva will sich um ein Treffen zwischen den zerstrittenen Präsidenten von Kolumbien und Venezuela, Álvaro Uribe und Hugo Chávez, bemühen. Das sagte der Staatschef laut Medienberichten bei einem Besuch in London. Am Rande des Amazonas-Gipfel am 26. November sollten die Staatschefs der Nachbarländer ihre Differenzen unter Vermittlung Brasiliens beilegen, so der Vorschlag von Lula. Die kolumbianische Regierung bat unterdessen Spanien um Vermittlung.

Die Situation war in dieser Woche eskaliert, nachdem Bogotá mit Washington einen Vertrag über die Errichtung von mindestens sieben US-amerikanischen Armeebasen in dem südamerikanischen Land abschloss. Zudem war im Nachbarland Venezuela die Zahl an Übergriffen von aus Kolumbien eingesickerten Paramilitärs in den letzten Wochen stark anstiegen.

Lula verurteilte erneut das Abkommen der Rechtsregierung in Bogotá mit der Obama-Administration. "Uns hat die Verlegung der US-Basen von Ecuador nach Kolumbien überrascht," zitiert ihn die venezolanische Nachrichtenagentur ABN. Er verlange Garantien, dass sich die Militäroperationen auf kolumbianisches Hoheitsgebiet begrenzen. Damit spricht der brasilianische Präsident die Sorgen Venezuela an: Caracas befürchtet US-amerikanische Grenzverletzungen und Spionage von den US-Basen nahe der Grenze zwischen den Nachbarländern. Bereits jetzt versuchen der kolumbianischen Regierung nahestehende rechtsextreme Paramilitärs, die traditionell über gute Verbindungen in die USA verfügen, die Grenzregion zu destabilisieren.

Die sozialistische Regierung in Caracas zeigt sich nun entschlossen, jedwede externe Einmischung zu unterbinden. Die Militärpräsenz an der 2000 Kilometer langen Grenze mit Kolumbien wurde deutlich verstärkt. Die lokale Presse berichtet, dass zusätzlich über 15.000 Nationalgardisten in die Grenzregion verlegt worden seien. Zudem wurden wichtige Grenzübergänge von der Armee mit schwerem Gerät gesichert. Der wichtige Grenzübergang über die Brücke Simón Bolívar zwischen dem venezolansichen San Antonio und der kolumbianischen Stadt Cúcuta wurde in der vergangenen Nacht erneut geschlossen, nachdem es zu Auseinandersetzungen zwischen Straßenhändlern und Schmugglern auf der einen Seite und der venezolanischen Nationalgarde auf der anderen Seite gekommen war. Auslöser waren verschärfte Grenzkontrollen, die zu langen Wartezeiten und Abweisungen geführt hatten.

Auch in der Hauptstadt Caracas ist eine erhöhte Präsenz von Sicherheitskräften zu beobachten. Die Maßnahmen richten sich gegen den Handel mit Drogen aus dem Nachbarland, sowie den zunehmenden Paramilitarismus und Spionage von Seiten Kolumbiens. Das Vertrauen zwischen dem US-Verbündeten Kolumbien und der sozialistischen Regierung in Caracas ist spätestens seit den jüngsten Verhaftungen von kolumbianischen Geheimagenten vollständig zerstört. Unterdessen werden in den venezolanischen Staatsmedien fast stündlich neue Drogenfunde und Verhaftungen von Paramilitärs und Mafiosi präsentiert.

Die kolumbianische Regierung bekräftigt dagegen immer wieder ihre Verhandlungsbereitschaft. Da das Militärabkommen mit den USA und die kolumbianische Grenzpolitik von Bogotá aus nicht in Frage gestellt wird, sieht Venezuela bisher allerdings keine Grundlage für Gespräche. Eine weitere Zuspitzung der Lage ist zu befürchten.

Adán Chávez, Gouverneur des venezolanischen Bundesstaates Barinas und Bruder des Präsidenten, verlangte die Ausweisung des dortigen Konsuls des Nachbarlandes, nachdem in der westlichen Region drei Reisebusse mit 100 kolumbianischen Männern aufgegriffen worden waren. Die mutmaßlichen Paramilitärs sollen nun abgeschoben werden. Gouverneur Chávez beklagte die fehlende Kooperationsbereitschaft des kolumbianischen Diplomaten und eine Einmischung in innere Angelegenheiten von Seiten des Konsuls.


Bildquelle: TeleSUR (Archiv)

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