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14.11.2009 Venezuela / Umwelt / Wirtschaft

Chávez setzt auf Solarenergie

Zukunftstechnologie soll Engpässe bei der Stromversorgung künftig verhindern. Wasserkraftwerke wegen Dürre nicht ausgelastet
Chávez setzt auf Solarenergie

Kampagnenlogo: "Bewusster Umgang mit den Ressourcen"

Caracas. Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat am Freitag (Ortszeit) die verstärkte Nutzung von Solarenergie in dem südamerikanischen Land angekündigt. Die klimafreundliche Stromerzeugung aus Sonnenlicht sei die Technologie der Zukunft. Ziel sei die Unabhängigkeit bei der Energieversorgung von Wasserkraft und Öl. "Denn das Öl wird eines Tages versiegen", betonte der Staatschef auf einer Kundgebung in der Hauptstadt Caracas gegen die Ausweitung der US-Militärpräsenz in Kolumbien.

Energie-Experten hatten in der örtlichen Presse in den vergangenen Tagen auf die Ausweitung von Dezentralisierungsprogrammen mittels Solarenergie gedrängt. So müsse beispielsweise die Stromversorgung der Straßenbeleuchtung mit Kleinsolaranlagen weiter ausgebaut werden. Chávez griff diesen Vorschlag nun auf und forderte, die komplette Straßenbeleuchtung Venezuelas müsse auf dezentrale Solarenergie umgestellt werden. Dies werde durch ein Kooperationsabkommen mit Vietnam ermöglicht, so Chávez. In der Hauptstadt Caracas sind bereits viele Hauptstraßen mit entsprechenden Speziallampen ausgestattet. In diesen sind Solarzellen direkt eingebaut und sie können die Straßenbeleuchtung unabhängig vom nationalen Versorgungssystem gewährleisten.

Venezuela, aber auch andere Länder wie Ecuador, bekommen wegen einer anhaltenden Dürre Probleme mit der Stromversorgung. Der meiste Strom des Landes kommt aus Wasserkraftwerken. Diese können bei niedrigen Wasserständen in Stauseen und Flüssen nicht die volle Leistung erbringen. In Venezuela gibt es deshalb immer wieder Stromausfälle. In der Hauptstadt Caracas treten diese jedoch nur vereinzelt in unterschiedlichen Stadtteilen auf.

Eine groß angelegte Kampagne soll nun die Bevölkerung zum Energiesparen bewegen. Derzeit steht Venezuela an der Spitze beim Pro-Kopf Energieverbrauch in Lateinamerika. Wie schon 2007, werden jetzt Millionen Energiesparlampen kostenlos verteilt. Dazu verspricht sich die Regierung eine Verbesserung der Lage durch neue Stromtarife. Haushalte, die ihren Energiekonsum im Vergleich zum durchschnittlichen Jahresverbrauch verringern, müssen die aktuelle Rechnung nicht bezahlen. Das neue Abrechnungssystem solle im Dezember in Kraft treten, berichtet die venezolanische Tageszeitung Últimas Noticias.

Mittels kurzfristiger Investitionen von umgerechnet über 120 Millionen Euro (413 Millionen Bolivares Fuertes) will die Regierung außerdem die Fertigstellung von staatlichen Entwicklungsprojekten im Energiesektor beschleunigen. Damit soll die Gesamtleistung bereits bis Anfang 2010 um knapp 10 Prozent angehoben werden. Seit Chávez' Amtsantritt 1999 wurden die Kapazitäten bereits um 40 Prozent erhöht, doch auch der Bedarf von Wirtschaft und Privathaushalten stieg gleichermaßen, betonte Energieminister Rafael Ramírez.

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