Venezuela / Wirtschaft

Wasserrationierung in Caracas

Venezuelas Regierung ergreift drastische Maßnahmen, um Energie zu sparen. Neues Ministerium gegründet

Die Einwohner von Venezuelas Hauptstadt Caracas werden ab kommender Woche zeitweise auf dem Trockenen sitzen. Wie der Präsident des staatlichen Wasserversorgers Hidrocapital, Alejandro Hitcher, am Sonnabend ankündigte, soll die Wasserversorgung in den verschiedenen Vierteln der Stadt ab dem 2. November planmäßig für bis zu 48 Stunden in der Woche abgeschaltet werden. Hintergrund ist, dass derzeit jeder Einwohner der Millionenstadt im Durchschnitt 400 Liter Wasser am Tag verbraucht. "Schon ein Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als 180 Litern Wasser wird von internationalen Organisationen wie der UNO als verantwortungslos eingeschätzt", erläuterte Hitcher und warnte, neben Aufklärungskampagnen werde es künftig auch Strafmaßnahmen gegen übermäßigen Wasserverbrauch geben. "Wer Trinkwasser verschwendet, wird fünfmal mehr bezahlen müssen, als es eigentlich kosten würde", warnte Hitcher.

Mit diesen drastischen Maßnahmen will die venezolanische Regierung einen generellen Zusammenbruch der Wasserversorgung des Landes verhindern. Durch die vom Wetterphänomen "El Niño" verursachte Dürre ist das Wasser in den Seen und Flüssen Venezuelas drastisch zurückgegangen. Auch der Rio Caroní, aus dem sich mehrere Wasserkraftwerke speisen, führt kaum noch Wasser.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Regierung eine umfassende Kampagne zur Energieeinsparung angekündigt. Das ehrgeizige Ziel ist, den Energieverbrauch des Landes um 20 Prozent zu verringern. "Hier im Präsidentenpalast Miraflores muss die Einsparung sogar mindestens 50 Prozent betragen", forderte Staatschef Hugo Chávez, der sogar die Gründung eines eigenen Ministeriums für die Stromversorgung ankündigte, das der Abgeordnete Ángel Rodríguez übernehmen soll, der in der Nationalversammlung bislang die Kommission für Energie und Bergbau leitet. Hinzu kommen Investitionen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar, um Mängel in der Infrastruktur zu beseitigen. "Im Bereich der Stromversorgung gibt es Fehler und Schwierigkeiten, das müssen wir selbstkritisch anerkennen", räumte Chávez am Sonntag in seiner wöchentlichen Zeitungskolumne ein. Er kündigte an, daß die Arbeiter der nationalen Stromversorgungsunternehmen direkt in die Führung der Betriebe einbezogen werden sollen: "Sie werden die wichtigsten Schöpfer des Neubeginns sein, den wir benötigen."

Der Stromverbrauch ist in Venezuela in den zehn Jahren seit dem Regierungsantritt von Hugo Chávez deutlich stärker angestiegen als die Bevölkerungszahl. Zu den Ursachen dieser Zunahme gehören die sozialen Maßnahmen der Regierung, durch die große Teile der Bevölkerung erstmals Zugang zur öffentlichen Wasser- und Stromversorgung bekamen.


Den Originalartikel der Tageszeitung junge Welt finden Sie hier.

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