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Planet Erde oder Tod

Boliviens Präsident Evo Morales mahnt auf Klimagipfel ein Umdenken an: "Die Menschheit steht am Scheideweg"

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Planet Erde oder Tod
Evo Morales während der Eröffnung des Klimagipfels

Cochabamba. Der Hauptfeind der Mutter Erde ist der Kapitalismus, so die Kernaussage der Rede, mit der Boliviens Präsident Evo Morales am Dienstag den Weltklimagipfel in Cochabamba eröffnet hat. Um die Menschheit zu retten, müsse ein neuer Weg beschritten werden, der das Gleichgewicht mit der Natur und den Respekt vor dem Leben zum Ziel habe, betonte Morales nach Angaben der venezolanischen Nachrichtenagentur ABN vor zehntausenden Teilnehmern aus fünf Kontinenten. Das kapitalistische System, per se ein Feind der Mutter Erde, zwinge dem Planeten grenzenloses Wachstum auf und sei derart Ursache für die großen Asymmetrien und das Ungleichgewicht auf der Erde.

"Für den Kapitalismus sind wir Menschen nur Konsumenten und Arbeitskräfte. Eine Person wird nur nach dem bemessen, was sie besitzt, nicht, was sie ist. Außerdem macht dieses System alles zur Ware, das Wasser, den Boden, die Kultur der Vorfahren, die Gerechtigkeit und die Ethik", mahnte Morales, der zu Beginn seiner Rede in Abwandlung des historischen Ausrufs "Patria o Muerte" (Vaterland oder Tod) ein leidenschaftliches Bekenntnis seiner politischen Heimat ablegte: "Planeta o Muerte" (Planet oder Tod).

Solange man das kapitalistische System nicht verändere, hätten alle Aktivitäten, auch eine wie dieser Gipfel in Bolivien, einen "begrenzten und prekären Charakter", so Morales weiter. Die Menschheit stehe am Scheideweg, sie könne den Weg des Kapitalismus weitergehen oder einen Weg einschlagen, der zur Harmonie mit der Natur und Respekt vor dem Leben führe.

"Es kann nur dann ein Gleichgewicht mit der Natur geben, wenn es ein Gleichgewicht unter den Menschen gibt. Es kann keine Harmonie mit der Mutter Erde geben in einer Welt, in der sich fünfzig Prozent des Reichtums auf diesem Planeten bei einem Prozent der Bevölkerung konzentrieren", so die eindringliche Mahnung des bolivianischen Präsidenten.

Dieses neue Wertesystem, auf das Morales sich in seiner Rede bezog, begründet sich auf dem Prinzip der Solidarität und der Gerechtigkeit, auf Respekt vor den Menschenrechten und der Mutter Erde, auf den Schutz des gemeinsamen Erbes der Menschheit wie die Atmosphäre, das Wasser und die Biodiversität.

Garant für den Frieden zwischen den Menschen und mit der Mutter Erde sei in organisatorischer Hinsicht das neue sozialistische kommunitäre System, das in seiner Funktionsweise jegliche Formen des Kolonialismus und des Imperialismus beseitigen könne, so Morales.

"Das Modell, das wir verfechten, ist nicht das eines grenzenlosen irrationalen Wachstums. Wenn die Staaten einen gewissen Grad an Verbesserungen benötigen und den Weg der Industrialisierung suchen , um die Grundbedürfnisse der Bevölkerung befriedigen zu können, dann dürfen sie auf keinen Fall den Weg der sogenannten entwickelten Länder gehen, denn diese haben eine ökologische Narbe hinterlassen, die fünfmal größer ist als das, was der Planet ertragen kann", führte der Präsident weiter aus und betonte in diesem Kontext die Bedeutung der sozialen Bewegungen, und hier vor allem der indigenen, als wahrhaftes Vorbild für ein alternatives Entwicklungsmodell.

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