Argentinien rollt Prozess wegen Verbrechen der Diktatur wieder auf

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Die ehemalige Technikschule der Marine diente während der Militärdiktatur als Folterzentrum
Die ehemalige Technikschule der Marine diente während der Militärdiktatur als Folterzentrum

Buenos Aires. In Argentinien hat in dieser Woche die dritte Prozessrunde zur Verurteilung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der argentinischen Militärdiktatur begonnen. Insgesamt stehen 61 Angeklagte vor Gericht, denen in 781 Fällen Mord, Entführung, Folter und das Verschwindenlassen von Oppositionellen vorgeworfen wird.

Im Fokus der Anklage steht die ehemalige Technikschule der Marine (ESMA), die zu Zeiten der Junta als Geheimgefängnis und Folterzentrum gedient hatte. Zwischen den Jahren 1976 und 1979 wurden dort gut 5.000 Gegner der Diktatur festgehalten. Dieser Prozess ist außerdem der erste, bei dem die Beteiligung von acht Piloten der so genannten Todesflüge geklärt wird, bei denen Gefangene lebendig ins Meer geworfen wurden, um sie so unauffällig verschwinden zu lassen.

Außerdem vor Gericht stehen die ehemaligen Marine-Angehörigen Alfredo Astiz und Eduardo "El Tigre" Acosta, ehemalige Fregattenkapitäne und Befehlshaber der ESMA. Beide wurden bereits in früheren Prozessen zu lebenslanger Haft verurteilt, unter anderem wegen des Verschwindenlassens der zwei französischen Nonnen Leonnie Duquet und Alice Domon. Sie könnten nun für weitere Verbrechen bestraft werden.

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Bereits in dieser Woche wurde der Geheimdienstoffizier Alfredo Astiz angehört, auch bekannt als "blonder Todesengel". Im Gerichtssaal hat er seine Verantwortung für die Verbrechen in der ESMA erklärt: "Die einzigen Verantwortlichen sind die, die Befehle gaben, inklusive mir." Gleichzeitig hat Astiz die argentinische Justiz und Regierung der Korruption beschuldigt und geäußert, dass er sich als politisch Verfolgter fühle.

In den kommenden Wochen werden noch bis zu 830 Zeugenaussagen gehört.

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