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06.07.2013 Belarus / Russland / Venezuela / Politik

Venezuelas Präsident Maduro in Moskau und Minsk

Inzwischen 240 bilaterale Verträge zwischen Venezuela und Russland. Lukaschenko würdigt Chávez
Nicolás Maduro am Minsker Ehrenmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Sowjetsoldaten

Nicolás Maduro am Minsker Ehrenmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Sowjetsoldaten

Moskau/Minsk/Caracas. Neben anderen Vertretern Lateinamerikas hat Venezuelas Präsident Nicolás Maduro an dem 2. Gipfeltreffen Erdgas exportierender Länder in Moskau teilgenommen, das unter der Leitung des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml stattfand. In seiner Rede forderte Nicolás Maduro die Teilnehmer des Forums auf, die Gaspreise an den Erdölpreisen der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) auszurichten, damit einheitliche Preisgestaltung und Austausch von neuen Technologien gewährleistet seien. Venezuela habe als Mitglied der OPEC gute Erfahrungen gemacht. Maduro nannte Erdgas eine "saubere, umweltfreundliche und zukunftsträchtige Energieform".

Zum Abschluss der Konferenz wiesen die Teilnehmer auf einer gemeinsamen Pressekonferenz darauf hin, dass die Bedeutung des Forums gewachsen sei. Die Organisation Erdgas exportierender Länder garantiere die stabile Versorgung der Welt mit der wichtigen strategischen Ressource Erdgas. Deshalb sei von Bedeutung, übersichtliche und klar verständliche Regelungen für diesen Markt zu finden und dafür zu sorgen, dass sie langfristig in Kraft blieben. Vor allem sollten diese Regelungen nicht politischem Druck und kurzfristigen Fluktuationen ausgesetzt werden.

Nicolás Maduro und Wladimir Putin nutzten die Gelegenheit für ein Arbeitstreffen im Kreml, zu dessen Abschluss fünf neue Wirtschaftsverträge unterzeichnet wurden. Die Gesamtzahl der russisch-venezolanischen Abkommen erhöht sich damit auf 240. Zwischen 2001 und 2010 hatte Präsident Hugo Chávez Moskau zehnmal besucht und gute Beziehungen zum Kreml geknüpft.

Venezuela ist nach Brasilien Russlands zweitgrößter Handelspartner in Lateinamerika. Die russische Regierung sieht Venezuela als Brückenkopf in der karibischen Region und Tor zu Südamerika. Venezuela übernimmt am 12. Juli 2013 den Vorsitz von Mercosur, was die wirtschaftliche Bedeutung des Landes weiter steigert. Präsident Maduro versprach, den Vorsitz zu nutzen, um die Beziehungen aller Mitgliedsstaaten zur Russischen Föderation zu stärken.

Die neuen Verträge betreffen Russlands Beteiligung an thermo-elektrischen Kraftwerken in Venezuela und neue Finanzierungskonditionen für die staatliche venezolanische Erdölgesellschaft PdVSA. Die russische Gazprom-Bank gibt PdVSA einen Kredit von einer Milliarde US-Dollar, um die Erdölfelder Lagunillas Tierra und Bachaquero Tierra zu erschließen. Außerdem werden die russischen Firmen Gazprom, Lukoil und Rosneft ihre Präsenz in Venezuela erhöhen.

Die Beteiligung von Gazprom bezieht sich auf die Gasvorkommen an der karibischen Küste und im Delta des Orinoco. Die Beteiligung von Lukoil und Rosneft betrifft die Erdölförderung am Orinoco, wo die tägliche Produktion auf 400 Millionen Tonnen gesteigert werden soll.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Konsolidierung der russisch-venezolanischen Bank, die bereits über Filialen in Moskau und Peking verfügt. Demnächst soll eine dritte Filiale in Caracas eröffnet werden. Eine direkte Flugverbindung zwischen Caracas und Moskau wurde gleichfalls erörtert. Maduro dankte Putin auch für die geleistete Hilfe in der "Gran Misión Vivienda", dem Wohnungsbauprogramm Venezuelas.

Am vergangenen Mittwoch reiste Maduro nach Belarus weiter, um in Minsk seinen Amtskollegen Alexander Lukaschenko zu treffen. Die Verträge, die bereits unter Hugo Chávez geschlossen wurden, sollen fortgeführt werden. Sie betreffen vor allem Investitionen von Belarus in den Hausbau und Traktorenfabriken in Venezuela. Anfang August dieses Jahres ist die Bildung einer bilateralen Kommission vorgesehen, die einen strategischen Plan für Kooperation in den Bereichen Energie, Landwirtschaft, Industrie, Infrastruktur und Technologie entwerfen soll. Lukaschenko versicherte, dass der verstorbene Hugo Chávez "ein großer Freund und großartiger Mensch" gewesen sei, der den Grundstein für die Freundschaft zwischen Belarus und Venezuela gelegt habe.

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